SZENEN AUS DEM DEUTSCH-UNTERRICHT Freeware, (c) 1997 by Kathrin Bierhaus und Fabian M. Suchanek http://www.mpi-inf.mpg.de/~suchanek/personal -> texts Das nachfolgende "Drama" ist eine Verdichtung unseres Oberstufen-Deutschkurses an der Marienschule Lippstadt in Anlehnung an Goethes Faust. Man muss wissen, dass Frau Dr. Gunild Brunert, unsere Deutschlehrerin, eine Lehrerin strengen Fleisses und eiserner Disziplin ist, und somit das Niveau unseres Grundkurses spielend an das des Leistungskurses (LKs) heranreicht. Ebendrum sind ihr diejenigen Schueler, die vom Ostendorf, unserer Kooperationsschule, und daher immer zu spaet kommen, ein Dorn im Auge. Weiterhin wisse man, dass es in unserem Kurs zwei Andrea's gibt, Andrea 1 und Andrea 2, und unsere tragische Hauptperson Fabian ihre Hausaufgaben nur mit Hilfe der neben ihr sitzenden Kathrin zu entziffern vermag. Mit diesem Vorwissen ausgeruestet mag sich nun der geneigte Leser die folgenden Zeilen zu Gemuete fuehren. Gross-Schreibung kennzeichnet die Betonung im Metrum. Zueignung Das "Drama Deutsch" woll'n wir erzaehlen, die Kathrin und der Fabian. Zur Ausdrucksweis' den Reim wir waehlen; das kommt hier wohl am besten an. Entgegen allen Konventionen von Akten und Gereime, die einem Drama innewohnen, versuchen wir's mal ganz alleine. Bei Frau Brunert Deutsch zu haben ist durchaus des Reimes wert hat sie doch durch strenges Fragen uns das Leben sehr erschwert. Fleiss und Ordnung plagt uns stuendlich doch fuer sie ist's auch nicht leicht: Ostendoerfler haben puenktlich uns're Schule nie erreicht. Verwirrung stiften ausserdem die zwei Andreas, die wir haben. Das wird insofern zum Problem als dass auf Fragen zwei was sagen. Bevor ich jetzt Frau Brunert spiele unser Dank an sie ergeht. Nicht nur fuer der Muehen viele nein: Weil sie auch Spass versteht. Prolog im Himmel Es steht: "Am Anfang war das Wort" Doch Faust schon schrieb: "Es war die Tat" * und Brunert, von besond'rer Sort', schreibt: "Gleich am Anfang mach ich's hart !" * "Faust, der Tragoedie erster Teil"; (c) 1768-1808 by Goethe; Vers 1257; Vorspiel auf dem Theater Frau Doktor Brunert stuermt herein, die Jacke flieget auf den Sitz. Das Buch gezueckt - es musste sein - die Namensliste ist kein Witz: Brunert: "Sabine" - war ihr erstes Wort - Sie will sich meinem Blick verwehren. WaRUM ist sie schon wieder fort ? Kann MIR das jemand mal erklaeren ? Schueler:Voll Demut heb ich meine Hand, den Zorn hier etwas abzukuehlen. Ans Ostendorf ward sie entsandt, der Ankunft spaet wird Reu' sie fuehlen. Brunert: Nun gut, so sei es ihr verziehn. Doch Ruecksicht ueben kann ich nicht. Auch wenn sie etwas spaet erschien: Wir muessen weiter im Gedicht ! Und Imke, die ist weit und breit Ja leider nirgendwo zu sehn. So voller Heiterkeit ihr seid ? Wie kann solch' Situation entstehn ? Andrea 1, Andrea 2... Schueler 1 vom Ostendorf latscht rein: (bruellt) Morgen ! Brunert: In Reimen sprich, sonst straf ich Dich ! Andrea 1, Andrea 2... Schueler 2 vom Ostendorf latscht rein: (bruellt) Tach ! Brunert: Hae ? Was reimt sich denn jetzt auf "Andrea 2" ? Ach ja: Und Kathrin, die ist auch dabei. Und nun zu Euch, ihr frechen Blagen... Schueler 3 vom Ostendorf latscht rein: (bruellt) Hallo zusammen ! Brunert: Was wollt ich denn jetzt eben sagen ? (holperig:) Jetzt seid doch mal endlich still, weil ich mich eben erst mal konzentrieren - aeh- will. (raeusper) Und nun zu Euch, Ihr lieben Kinder ! Wer SPAET kam, warte vor der Tuer ! Das gilt Euch dreien da nicht minder. DANACH zusammen einmarschier ! Doch nun genug der Liste Namen. Denn zwischendurch sei mal gesagt: Von diesen, die hier zu mir kamen, ein wenig Wissensdrang mich plagt. Diejen'gen, die den Deutschkurs nahmen, HAETT' ich gern einmal gefragt: Wer sind die Guten ? Wer die Lahmen, die nur aus Zwang sich her gewagt ? (Schueler etwas unsicher, einige kichern) Sie solln nicht lachen, sollen DENKEN ! In diesem Kurs gibt's nix zu lachen ! Gestattet MIR, den Kurs zu lenken, so wolln wir or'ntlich was draus machen. Studierzimmer Brunert: Die Hausaufgaben. FABIAN ! Fabian: Oh Gott, bin ich schon wieder dran ? Ein Uebersetzer ist von Noeten da mein Geschreibsel unerklaerlich; vor Scham sich mir die Wangen roeten. Ich kann's nicht lesen, sei'n wir ehrlich. Brunert: Sie lesen jetzt, ich muss doch bitten ! Gehorchen Sie der Lehrperson ! Ihr Steno ist hier unbestritten; die Ruth, die helfe; MACHT DOCH SCHON ! (zeigt auf Kathrin) Kathrin: Und nur des Reimes wegen Ruth ? Ich heisse Kathrin, ist das klar ? Mit "Ruth", das find ich gar nicht gut; verletzt und tief gekraenkt ich war ! Da sitzt er nun, der Fabian. Dass er es schrieb, ist Tage her, so dass er's jetzt nicht lesen kann und Kathrin hilft ihm nun nicht mehr. Hexenkueche Nach ellenlangen Diskussionen, wobei auch Streit nicht ganz vermieden, nach Keilerei und Revisionen hat man sich fuer den "Faust" entschieden. Brunert: Zur naechsten Woche, sagen wir habt ihr das ganze Buch gelesen. Die Seiten 1 bis 104 sind keinem je Problem gewesen. Die "Zu-Eignung" dann bitte doppelt, darueber wer'n wir diskutiern, das ist gehuepft doch wie gehoppelt, danach Faust 2 wir anvisiern. Schueler:Ich schuechtern mich zu melden wage EURE Rede hier zu stoeren. Gestattet sei mir eine Frage: STIMMT es dass wir richtig hoeren ? Man koennt' die Ueberlegung machen mit dem LK uns zu vergleichen - wenn SIE nicht der Erwaegung lachen - dem wuerd' Teil 1 naemlich schon reichen. Ich waehlte Grundkurs, nur mal so. Vergleicht man mal mit dem LK, der UEBER unserem Niveau so sieht man folgendes ganz klar: Die lesen Goethe Zeil' fuer Zeil' und diskutieren jede Seit'. Da niemand sagt: "Ich peil' das Teil" lassen DIE sich eben Zeit. Brunert: Was sagten Sie, ich hoer nicht recht ? Die lesen's nicht an einem Stueck ? Bei dem Gedanken wird mir schlecht, mit MIR, da ham Sie wirklich Glueck ! Die Schul' hier heisst "Gymnasium". Schon frueher war uns Faustus klar; wenn Ihr's nicht koennt, so seid ihr dumm ! Wir lesen mehr als ein LK ! Chorus: Wir sind der LK ! Wir sind der LK ! Epilog Verehrte Hoerer, solltet Ihr im Kurse je Frau Brunert kriegen: Befolget diese Verse hier, so ist Euch immer Glueck beschieden. Kausales "weil" mit Hauptsatz dran Frau Brunert kochend macht vor Wut. Unmoeglich man so sprechen kann, weil das ist ueberhaupt nicht gut ! Und gleichfalls sie in Rage bringt das Woertchen "wegen", wenn es stur mit drittem Fall zusammen klingt. Das wegen diesem Dativ nur. Und auch an Fehlerquellen reich, die nie ein Schueler je erkannte, ist der mit "wie" gebraucht' Vergleich, der schlimmer wie das Letztgenannte. Bei FREMDwoertern nimm Dich in Acht: Ein Klimax niemals Neutrum ist. Der Plural - ZU oft falsch gemacht - ist "KLI-mae-xe", wie ihr ja wisst. Fuers ZUHOERN seid nun noch bedankt, dass EUER Ohr Ihr UNS geschenkt. Euch dieser Zeilen bloss nicht zankt, im Deutschkurs ihrer froh gedenkt ! Und die Moral von der Geschicht: Moral fuer's Erste nicht in Sicht. Fabian M. Suchanek und Kathrin Bierhaus