Lebensversicherungen als Geldanlage
(c) 2006 Fabian M. Suchanek
version: 2006-w39-1
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Es gibt die unterschiedlichsten Gruende fuer eine Lebensversicherung. Beispielsweise kann eine Lebensversicherung dazu dienen, die Familie im Todesfall abzusichern. In diesem Text wird hingegen angenommen, das Ziel sei eine sichere und eintraegliche Geldanlage.
Im Folgenden wird daher eine Lebensversicherung als Geldanlage mit einer herkoemmlichen Geldanlage (Tagesgeldkonto, Festanlage oder Sparplan) verglichen.
Die Informationen in diesem Text sind allgemeiner Natur. Sie koennen nicht die genauen Konditionen jeder Lebensversicherung mit einbeziehen. Die hier genannten Punkte sind als Anregungen fuer Fragen an den Versicherungsberater zu verstehen.
Um dieses Risiko abzudecken, liegt der Auszahlbetrag fuer alle Kunden ein bisschen unter dem, was die Versicherung eigentlich ohne Beachtung des Risikos auszahlen koennte. Mit dieser Einsparung unterhaelt die Versicherung einen Geldtopf, aus dem die Risikozahlungen bezahlt werden. Das bedeutet natuerlich fuer den nicht vorzeitig sterbenden Kunden, dass er weniger bekommt, als ihm "eigentlich" zusteht. Der Kunde zahlt also nicht nur fuer seinen Auszahlbetrag, sondern auch fuer das Risiko mit.
Wer also die Versicherung als reine Geldanlage sieht, der sollte wissen, dass ein Teil seiner Einzahlungen in die Risikoabdeckung fliesst. Dies ist bei einer herkoemmlichen Geldanlage nicht der Fall.
Der Kunde geht also einen Vertrag ein, dessen genaue Konditionen per Definition unbekannt sind. Niemand garantiert, dass der Kunde am Ende mehr bekommt als die gesetzliche Mindesrate. Dies ist bei herkoemmlichen Geldanlagen natuerlich anders, weil hier der Zinssatz im Vorhinein vertraglich festgelegt ist.
Die genauen steuerlichen Regelungen sind sicherlich etwas komplizierter als man als Kunde gemeinhin versteht. Es mag auch durchaus sein, dass in bestimmten Faellen mehr Steuern auf herkoemmliche Geldanlagen bezahlt werden als auf Lebensversicherungen. Die steuerliche Bevorzugung ist jedoch sicherlich nicht ueber die volle Laufzeit von mehreren Jahrzehnten garantiert. Niemand kann sagen, ob nicht in den naechsten 10, 20 oder 30 Jahren die Regierung wechselt und eine Besteuerung von Lebensversicherungen (oder ihrer Betrags-Ausschuettung am Ende) beschlossen wird. Dann waere der Kunde, der darauf vertraut hat, benachteiligt. Ebenso kann nicht garantiert werden, dass die steuerlichen Praemien in den naechsten Jahrzehnten erhalten bleiben. Rentensaetze, Steuersaetze und Zuschusssaetze werden im Allgemeinen oefter mal geaendert.
Die genaue Aufschluesselung dieser Kosten ist in Modellrechnungen nicht ersichtlich. Es ist quasi unmoeglich, statt einer monolithen Modellrechnung vom Versicherungsunternehmen die genauen Formeln zu bekommen, nach denen sich die Kosten berechnen. Darueber hinaus mindern diese Kosten die gesetzliche Mindestausschuettung, sodass selbst diese nicht als einfach zu verstehende Garantie angesehen werden kann. Man geht als Kunde also einen Vertrag ein, dessen genaue Konditionen einem unbekannt sind.
Bei einer herkoemmlichen Geldanlage sind die Konditionen hingegen denkbar einfach: Der Kunde zahlt Geld ein und bekommt den Betrag nachher zu einem im Vorhinein festgelegten Zinssatz zurueck. Es gibt im Allgemeinen keinerlei Zusatzkosten.
Ein Vertrag mit solch langer Laufzeit birgt unkalkulierbare Risiken. In 40 Jahren Weltgeschichte und Wirtschaftsgeschichte koennen Inflation, Wirtschaftskrise, Bankrott der Versicherung oder auch Krieg den Gewinn zunichte machen.
Natuerlich betreffen diese Risiken auch die herkoemmliche Geldanlage. Eine herkoemmliche Geldanlage laesst sich jedoch bei einer Aenderung der Umstaende entweder sofort aufloesen (bei Tagesgeldkonten) oder aber innerhalb eines ueberschaubaren Zeitrahmens (zB 3 Jahre). Sollte also irgendwann in den naechsten Jahrzehnten beispielsweise die Inflation Geldanlagen sinnlos machen, so kann man jederzeit das Geld aus der Anlage ziehen und es in Konsumgueter, Aktien oder Wertgegenstaende investieren. Der Gewinn einer Lebensversicherung hingegen ist futsch.
In der Tat kuendigt ein Grossteil der Kunden ihre Lebensversicherung. Einigen Berechnungen zufolge kuendigen in Deutschland 75% der Kunden ihre Lebensversicherung vor Ablauf des Vertrags. (s. Wikipedia) Natuerlich mag die eigene Planung vorrausschauender sein als die des Durchschnittsbuergers. Allerdings kann nicht die Planung jedes Buergers vorrausschauender sein als die des Durchschnittsbuergers.
Besonders schmerzhaft ist die Kuendigung der Lebensversicherung in den ersten Jahren. Die Gebuehren der Versicherung werden naemlich meistens in den ersten Jahren abgefuehrt. Diese Gebuehren bekommt man natuerlich auf keinen Fall zurueck. Damit liegt der Rueckkaufpreis in den ersten Jahren nocheinmal weiter unter dem eingezahlten Betrag.
Herkoemmliche Geldanlagen hingegen lassen sich je nach Gusto tagesgueltig, fuer mehrere Tage, fuer mehrere Monate oder fuer mehrere Jahre abschliessen. Bei einer ausgeglichenen Strategie kann somit immer ein Betrag fuer sofortige Benutzung frei sein und auch ein Betrag fuer laengerfristige Beduerfnisse.
Wer also noch nicht weiss, ob er gesetzlich oder privat versichtert sein wird (oder ob sich das aendert), und wer dann eine Lebensversicherung fuer den gesetzlichen Fall abschliesst, traegt das Risiko, ueberhaupt keine staatlichen Praemien zu bekommen. Ohne die staatlichen Praemien aber ist der Gewinn einer Lebensversicherung vernachlaessigbar. Man hat also alle Nachteile der Lebensversicherung (langfristige Bindung, undurchsichtige Konditionen etc.) ohne einen handfesten Vorteil.
Entscheidet man sich in diesem Fall fuer eine Kuendigung, verliert man sogar noch mehr Geld (s. oben).
Wenn man alle anderen Parameter (Sicherheit, Risikoabdeckung, Steuern usw.) mal ausser Acht laesst, sorgen also die staatlichen Praemien dafuer, dass man mit der Lebensversicherung einen vergleichbaren Gewinn erzielt wie mit einer herkoemmlichen Geldanlage. So gesehen subventionieren also die staatlichen Praemien die Versicherungsunternehmen.
Letztlich stellt sich die Frage, warum man staatliche Gelder in Anspruch nehmen sollte, wenn man einen vergleichbaren Gewinn auch ohne staatliche Gelder erzielen kann. Die Inanspruchnahme von oeffentlichen Mitteln ist ja unserem Wirtschaftssystem nicht zutraeglich.
Als Konkurrent der Lebensversicherung betrachten wir ein jederzeit kuendbare Tagesgeld-Konto mit einem festen Zinssatz. Man kann natuerlich, wenn man eine Summe angespart hat, diese aus dem Tagesgeldkonto nehmen und ueber laengere Zeit zu besseren Konditionen anlegen. Die hier getroffene vereinfachende Annahme benachteiligt also die herkoemmliche Geldanlage bereits.
Sowohl herkoemmliche Geldanlage als auch die Lebensversicherung unterliegt einem gewissen Risiko: Bei der herkoemmlichen Geldanlage kann der Zinssatz sinken (und eine Umdisponierung der Anlagen notwendig machen) und bei der Lebensversicherung kann die Ueberschussbeteiligung sinken (und einen unbehebbaren Nachteil herbeifuehren). Der Einfachkeit halber nehmen wir an, dass diese Risiken gleichwertig sind.
Zunaechst zum Tagesgeldkonto.
Wir wollen den Endbetrag des Tagesgeldkontos berechnen. Wuerde
der Betrag x einfach ueber n Jahre angelegt, so waere die Endsumme
x*q^n (dabei bedeutet "q^n" "q hoch n")Nun wird aber nur der im Januar des ersten Jahres angelegte Betrag x ueber die vollen n Jahre verzinst. Der im Februar hinzukommende Betrag x wird ueber n*12-1 Monate verzinst usw.
Wir muessen also nicht in Jahren rechnen, sondern in Monaten. Wir muessen also das q herunterrechnen auf ein "q pro Monat". Dabei hilft, dass, wenn man den Betrag 12-mal 1 Monat lang anlegt (inklusive der Zinsen), dasselbe dabei herauskommen sollte wie wenn man den Betrag 1 Jahr lang anlegt. Also
x * qMonat^12 = x*q
<=> qMonat = q^(1/12)
Grob genaehert gilt
qMonat = 1+p/12
Dann ergibt das Tagesgeld-Konto eine Endsumme von
x * qMonat^(n*12) (Betrag vom Januar des ersten Jahres)
+ x * qMonat^(n*12-1) (Betrag vom Februar des ersten Jahres)
+ x * qMonat^(n*12-2)
+ ...
+ x * qMonat^1 (Betrag vom Dezember des letzten Jahres)
=
x * (Summe i=1..n*12 qMonat^i)
=
x * (Summe i=0..n*12-1 qMonat^(i+1))
=
x * (Summe i=0..n*12-1 qMonat^i * qMonat^1))
=
x * qMonat * (Summe i=0..n*12-1 qMonat^i)
=
x * qMonat * (qMonat^(n*12-1)-1) / (qMonat-1)
Beispiel: Ist der Prozentsatz 3%, so ist
qMonat = (1+0.03)^(1/12) = 1.002466
bzw genaehert:
qMonat = 1+0.03/12 = 1.0025
Zahlt man ueber 40 Jahre 30 EUR pro Monat ein, so ergibt sich
die Summe
x * qMonat * (qMonat^(n*12-1)-1) / (qMonat-1)
= 30 EUR * 1.002466 * (1.002466^(40*12-1)-1) / 0.002466
= 27482.89 EUR
Zum Vergleich: Die Einzahlungen waren
12*40*30 EUR = 14400 EUR
Nun zur Lebensversicherung. Hier kennen wir nur die am Ende ausgezahlte Summe. Wir wollen bestimmen, wie gross der Prozentsatz eines Tagesgeldkontos sein muesste, um auf dieselbe Endsumme zu kommen. Diesen Prozentsatz nennen wir die "Verzinsung der Lebensversicherung".
Leider ist die Formel des Tagesgeldkontos mathematisch so unschoen, sodass man nicht darum herumkommt, in die Formel solange verschiedene Prozentsaetze einzusetzen, bis die von der Lebensversicherung versprochene Summe dabei herauskommt.
Ich habe dies fuer das Postbank Rentenkonto klassik getan (Stand 2006-08) und es kam heraus:
| mit Ueberschussbet. | ohne Ueberschussbet. | |
|---|---|---|
| mit staatl. Praemien | 4.75% | 3.1% |
| ohne staatl. Praemien | 3.5% | 1.8% |
Diese Zahlen sind in etwa das, was man mit einer herkoemmlichen mittelfristigen Geldanlage auch erreichen kann, nur