Lebensversicherungen als Geldanlage

(c) 2006 Fabian M. Suchanek

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Dies ist eine kritische Betrachtung von Lebensversicherungen als Geldanlage.

Durch das Weiterlesen akzeptiert der Leser, dass der Autor keinerlei Verantwortung fuer die Richtigkeit oder Vollstaendigkeit dieses Textes uebernimmt! Wenn jemand einen Fehler gefunden hat, so waere ich fuer eine Mail dankbar: Vorname@Nachname.name

Inhaltsverzeichnis

Lebensversicherungen allgemein

Es gibt die unterschiedlichsten Lebensversicherungen zu den unterschiedlichsten Konditionen. In diesem Text wird nur die folgende Form eines Vertrags zwischen Versicherung und Kunde behandelt: Der Kunde zahlt monatlich einen Beitrag an die Versicherung. Wenn der Kunde stirbt oder in das Rentenalter kommt, hoeren die Beitragszahlungen auf. Die Versicherung zahlt dann einen Betrag an den Kunden (oder die Hinterbliebenen). Dies geschieht entweder in Raten (als Zusatzrente) oder auf einen Schlag. Oft hat der Kunde Anspruch auf zusaetzliche staatliche Praemien.

Es gibt die unterschiedlichsten Gruende fuer eine Lebensversicherung. Beispielsweise kann eine Lebensversicherung dazu dienen, die Familie im Todesfall abzusichern. In diesem Text wird hingegen angenommen, das Ziel sei eine sichere und eintraegliche Geldanlage.

Im Folgenden wird daher eine Lebensversicherung als Geldanlage mit einer herkoemmlichen Geldanlage (Tagesgeldkonto, Festanlage oder Sparplan) verglichen.

Die Informationen in diesem Text sind allgemeiner Natur. Sie koennen nicht die genauen Konditionen jeder Lebensversicherung mit einbeziehen. Die hier genannten Punkte sind als Anregungen fuer Fragen an den Versicherungsberater zu verstehen.

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Eine Lebensversicherung ist eine Versicherung

Stirbt der Kunde, so zahlt die Versicherung den vertraglich vereinbarten Betrag an die Hinterbliebenen. Dies gilt auch, wenn die Summe der bislang eingezahlten Beitraege noch unter dem ausgezahlten Betrag liegt. Die Versicherung zahlt in diesem Fall also mehr aus, als sie eingenommen hat.

Um dieses Risiko abzudecken, liegt der Auszahlbetrag fuer alle Kunden ein bisschen unter dem, was die Versicherung eigentlich ohne Beachtung des Risikos auszahlen koennte. Mit dieser Einsparung unterhaelt die Versicherung einen Geldtopf, aus dem die Risikozahlungen bezahlt werden. Das bedeutet natuerlich fuer den nicht vorzeitig sterbenden Kunden, dass er weniger bekommt, als ihm "eigentlich" zusteht. Der Kunde zahlt also nicht nur fuer seinen Auszahlbetrag, sondern auch fuer das Risiko mit.

Wer also die Versicherung als reine Geldanlage sieht, der sollte wissen, dass ein Teil seiner Einzahlungen in die Risikoabdeckung fliesst. Dies ist bei einer herkoemmlichen Geldanlage nicht der Fall.

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Die Ueberschussbeteiligung ist nicht sicher

Versicherer rechnen dem Kunden haeufig vor, wie gross der Betrag sein wird, der ihm am Ende ausgeschuettet wird. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus der gesetzlichen Mindestrate und der sogenannten Ueberschussbeteiligung. Waehrend die Mindestrate garantiert ist, besteht kein Anspruch auf die Ueberschussbeteiligung. D.h. selbst wenn nach momentanen Konditionen die Ueberschussbeteiligung bei z.B. 5% der eingezahlten Beitraege liegt, hindert nichts die Versicherung daran, die Ueberschussbeteiligung in den naechsten Jahren irgendwann auf 2% oder gar 0% zu senken.

Der Kunde geht also einen Vertrag ein, dessen genaue Konditionen per Definition unbekannt sind. Niemand garantiert, dass der Kunde am Ende mehr bekommt als die gesetzliche Mindesrate. Dies ist bei herkoemmlichen Geldanlagen natuerlich anders, weil hier der Zinssatz im Vorhinein vertraglich festgelegt ist.

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Die steuerliche Bevorzugung und die staatliche Praemienzahlung ist nicht sicher

Es wird haeufig damit geworben, dass Lebensversicherungen steuerlich besonders attraktiv seien. Insbesondere als eine Besteuerung der Lebensversicherungen anstand und vor Jahresende geschlossene Vertraege steuerfrei bleiben sollten, draengte man die Kunden dazu, noch dieses Jahr eine Lebensversicherung abzuschliessen. Darueber hinaus zahlt der Staat dem Kunden zusaetzliche Praemien bei der Ausschuettung oder zahlt mit dem Kunden zusammen in die Versicherung ein.

Die genauen steuerlichen Regelungen sind sicherlich etwas komplizierter als man als Kunde gemeinhin versteht. Es mag auch durchaus sein, dass in bestimmten Faellen mehr Steuern auf herkoemmliche Geldanlagen bezahlt werden als auf Lebensversicherungen. Die steuerliche Bevorzugung ist jedoch sicherlich nicht ueber die volle Laufzeit von mehreren Jahrzehnten garantiert. Niemand kann sagen, ob nicht in den naechsten 10, 20 oder 30 Jahren die Regierung wechselt und eine Besteuerung von Lebensversicherungen (oder ihrer Betrags-Ausschuettung am Ende) beschlossen wird. Dann waere der Kunde, der darauf vertraut hat, benachteiligt. Ebenso kann nicht garantiert werden, dass die steuerlichen Praemien in den naechsten Jahrzehnten erhalten bleiben. Rentensaetze, Steuersaetze und Zuschusssaetze werden im Allgemeinen oefter mal geaendert.

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Lebensversicherungen haben undurchsichtige Konditionen

Die genauen Konditionen einer Lebensversicherung sind weitaus komplexer als man als Kunde nachvollziehen kann. Die Kosten einer Lebensversicherung setzen sich zusammen aus:

Die genaue Aufschluesselung dieser Kosten ist in Modellrechnungen nicht ersichtlich. Es ist quasi unmoeglich, statt einer monolithen Modellrechnung vom Versicherungsunternehmen die genauen Formeln zu bekommen, nach denen sich die Kosten berechnen. Darueber hinaus mindern diese Kosten die gesetzliche Mindestausschuettung, sodass selbst diese nicht als einfach zu verstehende Garantie angesehen werden kann. Man geht als Kunde also einen Vertrag ein, dessen genaue Konditionen einem unbekannt sind.

Bei einer herkoemmlichen Geldanlage sind die Konditionen hingegen denkbar einfach: Der Kunde zahlt Geld ein und bekommt den Betrag nachher zu einem im Vorhinein festgelegten Zinssatz zurueck. Es gibt im Allgemeinen keinerlei Zusatzkosten.

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Lebensversicherungen sind extrem langfristig

Lebensversicherungen sind Vertraege mit einer Laufzeit bis zum Rentenalter. Fuer einen Jugendlichen bedeutet dies ein Vertrag ueber rund 40 Jahre.

Ein Vertrag mit solch langer Laufzeit birgt unkalkulierbare Risiken. In 40 Jahren Weltgeschichte und Wirtschaftsgeschichte koennen Inflation, Wirtschaftskrise, Bankrott der Versicherung oder auch Krieg den Gewinn zunichte machen.

Natuerlich betreffen diese Risiken auch die herkoemmliche Geldanlage. Eine herkoemmliche Geldanlage laesst sich jedoch bei einer Aenderung der Umstaende entweder sofort aufloesen (bei Tagesgeldkonten) oder aber innerhalb eines ueberschaubaren Zeitrahmens (zB 3 Jahre). Sollte also irgendwann in den naechsten Jahrzehnten beispielsweise die Inflation Geldanlagen sinnlos machen, so kann man jederzeit das Geld aus der Anlage ziehen und es in Konsumgueter, Aktien oder Wertgegenstaende investieren. Der Gewinn einer Lebensversicherung hingegen ist futsch.

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Lebensversicherungen sind fest

Ueber die Laufzeit der Lebensversicherung kann es sein, dass persoenliche Umstaende ungeplante Kosten mit sich bringen. Dies schliesst tragische Begebenheiten wie Unfall oder Krankheit ebenso ein wie Praeferenzaenderungen wie zB einen Hausbau. Wenn man sich entschliesst, eine Lebensversicherung zu kuendigen, so geht dies mit horrenden Kosten einher. Im Allgemeinen bekommt man weit weniger zurueck als den eingezahlten Betrag, man macht also Verlust.

In der Tat kuendigt ein Grossteil der Kunden ihre Lebensversicherung. Einigen Berechnungen zufolge kuendigen in Deutschland 75% der Kunden ihre Lebensversicherung vor Ablauf des Vertrags. (s. Wikipedia) Natuerlich mag die eigene Planung vorrausschauender sein als die des Durchschnittsbuergers. Allerdings kann nicht die Planung jedes Buergers vorrausschauender sein als die des Durchschnittsbuergers.

Besonders schmerzhaft ist die Kuendigung der Lebensversicherung in den ersten Jahren. Die Gebuehren der Versicherung werden naemlich meistens in den ersten Jahren abgefuehrt. Diese Gebuehren bekommt man natuerlich auf keinen Fall zurueck. Damit liegt der Rueckkaufpreis in den ersten Jahren nocheinmal weiter unter dem eingezahlten Betrag.

Herkoemmliche Geldanlagen hingegen lassen sich je nach Gusto tagesgueltig, fuer mehrere Tage, fuer mehrere Monate oder fuer mehrere Jahre abschliessen. Bei einer ausgeglichenen Strategie kann somit immer ein Betrag fuer sofortige Benutzung frei sein und auch ein Betrag fuer laengerfristige Beduerfnisse.

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Die staatlichen Praemien haengen von der gesetzlichen Versicherung ab.

Es gibt Lebensversicherungen fuer gesetzlich (kranken-)versichterte Kunden und Lebensversicherungen fuer privat versicherte Kunden. Die staatliche Praemien werden im gesetzlichen Fall ab Eintritt in die gesetzliche Versicherung gezahlt.

Wer also noch nicht weiss, ob er gesetzlich oder privat versichtert sein wird (oder ob sich das aendert), und wer dann eine Lebensversicherung fuer den gesetzlichen Fall abschliesst, traegt das Risiko, ueberhaupt keine staatlichen Praemien zu bekommen. Ohne die staatlichen Praemien aber ist der Gewinn einer Lebensversicherung vernachlaessigbar. Man hat also alle Nachteile der Lebensversicherung (langfristige Bindung, undurchsichtige Konditionen etc.) ohne einen handfesten Vorteil.

Entscheidet man sich in diesem Fall fuer eine Kuendigung, verliert man sogar noch mehr Geld (s. oben).

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Die staatlichen Praemien machen die Versicherung erst attraktiv

Der reine Gewinn einer Lebensversicherung, inklusive der gesetzlichen Mindestausschuettung und inklusive der (nicht garantierten) Ueberschussbeteiligung liegt im einstelligen Prozentbereich. Durch die staatlichen Praemien steigt dieser Gewinn noch um ein oder zwei Prozentpunkte. Ohne die staatlichen Praemien liegt der Gewinn einer Lebensversicherung im Allgemeinen unter dem Gewinn einer herkoemmlichen Geldanlage (siehe Rechnungen unten). Mit den staatlichen Praemien steigt er auf konkurrenzfaehiges Niveau.

Wenn man alle anderen Parameter (Sicherheit, Risikoabdeckung, Steuern usw.) mal ausser Acht laesst, sorgen also die staatlichen Praemien dafuer, dass man mit der Lebensversicherung einen vergleichbaren Gewinn erzielt wie mit einer herkoemmlichen Geldanlage. So gesehen subventionieren also die staatlichen Praemien die Versicherungsunternehmen.

Letztlich stellt sich die Frage, warum man staatliche Gelder in Anspruch nehmen sollte, wenn man einen vergleichbaren Gewinn auch ohne staatliche Gelder erzielen kann. Die Inanspruchnahme von oeffentlichen Mitteln ist ja unserem Wirtschaftssystem nicht zutraeglich.

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Der Gewinn einer Lebensversicherung ist gering

Der Gewinn einer Lebensversicherung ist wegen der undurchsichtigen Kostenstruktur (s.
oben) fuer den Kunden kaum berechenbar. Einziger Anhaltspunkt sind Modellrechnungen, die bei einer bestimmten Einzahlung eine bestimmte Summe vorhersagen. Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass aus der Modellrechnung hervorgeht, dass Dieses sind zwar natuerlich erscheinende, aber oft realitaetsfremde Annahmen. Manche Modellrechnungen sagen zB oben, dass der Monatsbeitrag fest ist, schreiben aber unten im Kleingedruckten, dass er sich erhoeht. Darueber hinaus werden von der Auszahlsumme oft noch weiteren Gebuehren abgezogen, die in der Modellrechung nicht auftauchen. Die hier getroffenen vereinfachenden Annahmen uebervorteilen also die Lebensversicherung bereits.

Als Konkurrent der Lebensversicherung betrachten wir ein jederzeit kuendbare Tagesgeld-Konto mit einem festen Zinssatz. Man kann natuerlich, wenn man eine Summe angespart hat, diese aus dem Tagesgeldkonto nehmen und ueber laengere Zeit zu besseren Konditionen anlegen. Die hier getroffene vereinfachende Annahme benachteiligt also die herkoemmliche Geldanlage bereits.

Sowohl herkoemmliche Geldanlage als auch die Lebensversicherung unterliegt einem gewissen Risiko: Bei der herkoemmlichen Geldanlage kann der Zinssatz sinken (und eine Umdisponierung der Anlagen notwendig machen) und bei der Lebensversicherung kann die Ueberschussbeteiligung sinken (und einen unbehebbaren Nachteil herbeifuehren). Der Einfachkeit halber nehmen wir an, dass diese Risiken gleichwertig sind.

Zunaechst zum Tagesgeldkonto.

Wir wollen den Endbetrag des Tagesgeldkontos berechnen. Wuerde der Betrag x einfach ueber n Jahre angelegt, so waere die Endsumme

   x*q^n         (dabei bedeutet "q^n"  "q hoch n")
Nun wird aber nur der im Januar des ersten Jahres angelegte Betrag x ueber die vollen n Jahre verzinst. Der im Februar hinzukommende Betrag x wird ueber n*12-1 Monate verzinst usw.

Wir muessen also nicht in Jahren rechnen, sondern in Monaten. Wir muessen also das q herunterrechnen auf ein "q pro Monat". Dabei hilft, dass, wenn man den Betrag 12-mal 1 Monat lang anlegt (inklusive der Zinsen), dasselbe dabei herauskommen sollte wie wenn man den Betrag 1 Jahr lang anlegt. Also

             x * qMonat^12 = x*q
      <=>        qMonat = q^(1/12)
Grob genaehert gilt
                 qMonat = 1+p/12

Dann ergibt das Tagesgeld-Konto eine Endsumme von

      x * qMonat^(n*12)        (Betrag vom Januar des ersten Jahres)
   +  x * qMonat^(n*12-1)      (Betrag vom Februar des ersten Jahres)
   +  x * qMonat^(n*12-2)
   +  ...
   +  x * qMonat^1             (Betrag vom Dezember des letzten Jahres)
 =
   x * (Summe i=1..n*12 qMonat^i)
 =
   x * (Summe i=0..n*12-1 qMonat^(i+1))
 =
   x * (Summe i=0..n*12-1 qMonat^i * qMonat^1))
 =
   x * qMonat * (Summe i=0..n*12-1 qMonat^i)
 =
   x * qMonat * (qMonat^(n*12-1)-1) / (qMonat-1)

Beispiel: Ist der Prozentsatz 3%, so ist

      qMonat = (1+0.03)^(1/12) = 1.002466
bzw genaehert:
      qMonat = 1+0.03/12 = 1.0025
Zahlt man ueber 40 Jahre 30 EUR pro Monat ein, so ergibt sich die Summe
    x * qMonat * (qMonat^(n*12-1)-1) / (qMonat-1)
  = 30 EUR * 1.002466 * (1.002466^(40*12-1)-1) / 0.002466
  = 27482.89 EUR

Zum Vergleich: Die Einzahlungen waren

    12*40*30 EUR = 14400 EUR

Nun zur Lebensversicherung. Hier kennen wir nur die am Ende ausgezahlte Summe. Wir wollen bestimmen, wie gross der Prozentsatz eines Tagesgeldkontos sein muesste, um auf dieselbe Endsumme zu kommen. Diesen Prozentsatz nennen wir die "Verzinsung der Lebensversicherung".

Leider ist die Formel des Tagesgeldkontos mathematisch so unschoen, sodass man nicht darum herumkommt, in die Formel solange verschiedene Prozentsaetze einzusetzen, bis die von der Lebensversicherung versprochene Summe dabei herauskommt.

Ich habe dies fuer das Postbank Rentenkonto klassik getan (Stand 2006-08) und es kam heraus:

mit Ueberschussbet.ohne Ueberschussbet.
mit staatl. Praemien 4.75% 3.1%
ohne staatl. Praemien 3.5% 1.8%

Diese Zahlen sind in etwa das, was man mit einer herkoemmlichen mittelfristigen Geldanlage auch erreichen kann, nur

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