Die Echten DOS-User (c) 1998-06-04 by Fabian M.Suchanek http://www.mpi-inf.mpg.de/~suchanek/personal -> texts (Dieser Text stammt aus dem Jahre 1998 -- er ist also recht alt fuer unsere schnell-lebige Zeit. Es ist jedoch erstaunlich, wie wenig er an Wahrheit eingebuesst hat...) Es gab einmal eine Zeit, in der die Menschheit begann, sich ueber das blosse Gestikulieren und Draufzeigen hinweg zu setzen und sich erstmals der Sprache oder sogar der Schrift zu bedienen. Es gab einmal eine Zeit, in der die Menschheit begann, neue Erfindungen zu entwickeln und alte (wie beispielsweise eine Sanduhr) ueber Bord zu werfen. Es gab einmal eine Zeit, in der die Menschheit begann, den Dingen auf den Grund zu gehen und sich nicht mehr durch buntes Aeusseres taeuschen zu lassen. Diese Zeit (und es war eine schoene Zeit) ist nun vorbei: Traurig muessen die wenigen verbliebenen Echten DOS-User mit ansehen, wie ein Grossteil ihrer Mitmenschen sich wieder auf das praehistorische Niveau zurueckbegibt, die Evolution verkuemmert. Die Erfindung, die all dieses ermoeglichte, heisst -- WINDOWS ! Wenn in guten alten Zeiten ein Echter DOS-User voller Wiedersehensfreude seinen Compi hochtaktete und dieser ihn mit einem freundlichen BEEP begruesste, so sah unser Echter DOS-User sich bald dem wohlvertrauten DOS-Prompt gegenueber, das ihn schlicht begruesste und seiner Befehle untertaenigst harrte. Heutzutage muss sich der Echte DOS-User, seine Finger schon jubelnd auf den Tasten, noch ein wenig gedulden: Geblendet von der Schoenheit des WINDOWS-Logos muss er sich ersteinmal an das neue Betriebssystem gewoehnen: Durch Warten. Der Balken, der am unteren Bildrand ruckartig herumflimmert, taeuscht erstens Arbeitstaetigkeit vor und lenkt gleichzeitig den sich langweilenden Benutzer ab. Was um alles in der Welt, so fragt sich der Echte DOS-User nun entsetzt, macht dieses Betriebssystem mit seinem Compi (denn es roedelt gefaehrlich auf der Platte)? Gerade hat der Echte DOS-User beschlossen, das Notfallprogramm mit einer DOS-Startdiskette einzuleiten, als WINDOWS fertig ist (zu erkennen an der Sanduhr). Irritiert blickt der Echte DOS-User auf ein suesses Raehmchen mit dem freundlichen "Willkommen". Dieser bloedsinnigen Einrichtung ist auch mit dem gewohnten ALT+X nicht beizukommen und so liest der Echte DOS-User notgedrugen: "Wenn Sie Bildchen malen wollen, benutzen Sie das tolle MICROSOFT-Programm PAINT !". Natuerlich hat der Echte DOS-User weit wichtigere Sachen vor, als Bildchen zu malen, und dass das dazu benoetigte Programm "PAINT" heisst, haette er wohl auch selbst herausgefunden. Der Echte DOS-User wartet also, immernoch in vager Hoffnung auf sein heissgeliebtes DOS-Prompt. Als sich aber nach einer sogar fuer WINDOWS angemessenen Wartezeit nichts tut, entsinnt er sich der sinnvollsten Tastaturkombination, die es unter WINDOWS gibt: ALT+F4. Fantastisch ! Das Schildchen verschwindet und nach nochmaligem Druecken erscheint sogar die Option "Compi im DOS-Modus hochfahren" -- schnell ausgewaehlt, ENTER gehaun und siehe da: WINDOWS verabschiedet sich mit einem Triumphgeheul und wenige Toilettengaenge spaeter sieht sich der Echte DOS-User endlich seinem DOS-Prompt gegenueber. Na, das haette man auch schneller haben koennen... Fuer den Echten DOS-User ist es klar: WINDOWS95 ist ein Derivat von WINDOWS 3.11 for playgroups und eigentlich bloss sein innig geliebtes DOS, skrupellos verunstaltet durch eine bunte sog. GUI. Ganz unten drunter, stoehnend unter der Last der ganzen BMP- und WAV-Dateien, tickt doch noch das gute alte DOS, und laechelnd findet der Echte DOS-User auf Schritt und Klick auch in dem neuen "Betriebssystem" immer wieder Hinweise auf dessen ehrwuerdige Herkunft. Der Echte DOS-User weiss: Auch WINDOWS98 ist nur ein Update fuer WINDOWS95, WINDOWS95 basierte ja auf WINDOWS 3.11 und irgendwann kippt der ganze doofe Turm um und das gute alte DOS muss wieder aushelfen. Ja,ja, so wird es kommen ! (Spaetestens nach WINDOWS00) Warum gibt es denn noch die MSDOS.SYS, AUTOEXEC.BAT, COMMAND.COM, CONFIG.SYS und unsere IO.SYS ? Warum wird einem an jeder Stelle angeboten, das ganze mal im DOS-Modus zu versuchen ? Warum kann man mit BootGui=0 oder F4 aus jedem WINDOWS-Ungeheuer ein DOS-System machen ? Warum findet sich die "MSDOS-Eingabeaufforderung" direkt in "Programme" ? Die Antwort liegt doch auf der Hand: Das unfoermige WINDOWS balanciert stark schwankend auf einem edlen DOS-Kernel ! Anscheinend ist Nuetzlichkeit wirklich antiproportional zur Groesse: WINDOWS95 verschmutzt 430 MB der heiligen Platte, DOS 7 MB -- also ein 60stel. --> Double your hard disk space -- Delete Windows! Have you crashed your Windows today? -- Einem guten Witz nach soll die Popelaritaet WINDOWSs in der Stabilitaet liegen. Man lasse sich gesagt sein, dass das, was ein erfahrener WINDOWS- User in wenigen Sekunden fertigbringt, von einem Echten DOS-User innerhalb einer Fuenftelsekunde ueber die Buehne gebracht wird: Das Druecken von CTRL+Untbr scheucht jedes gute bis mittelboese Programm mit sofortiger Wirkung aus dem Speicher. DOS spart sich die Sicherheitsabfragen 1 bis 5, den mehrmaligen imposanten (aber voellig ueberfluessigen) Wechsel von Text- zum Graphik-Bildschirm (Geraeusch: Zoingggggg), die sinntraechtige Warnung, dass das Schliessen des Programmes das Programm beendet (!) und die Sicherheitsabfrage, ob man denn sicher ist, dass man sicher ist, dass man sicher ist, dass man das Programm wirklich beenden moechte. Ein weiteres Zeichen der Stabilitaet von WINDOWS95 ist das haeufige Abschmieren. Unter DOS behebt sich die Sache innerhalb weniger Sekunden mit einem Warmstart, aber versuchen Sie mal, einem Multimedia-WINDOWS-Anwender zu verklickern, was der Affengriff ist, geschweige denn, wie man 3 Tasten (CTRL+ALT und noch DEL !) _gleichzeitig_ druecken kann. Beginnen Sie damit, ihm zu erklaeren, was eine Taste ist. Alles in Allem interessieren den Echten DOS-User an WINDOWS vorrangig die spektakulaeren Crashmoeglichkeiten. "Und das Multitasking ?" so fragt siegessicher der stolze BINDOOF-Benutzer. Sofern man unter WINDOWS von Multitasking sprechen kann, findet dieses ausschliesslich zu unnuetzen Dingen wie Musik-CDs anhoeren statt. Der Echte DOS-User ist durchaus noch in der Lage, einen sogenannten CD-Spieler zu bedienen, den er bei dringender Benoetigung musikalischer Untermalung ohne weitfuehrende Probleme einfach manuell bedienen kann. Diese frueher weit verbreitete Technik spart Zeit und Prozessorlast, harmoniert aber leider nicht mit dem neuen Trend, dem Zauberwort "Multimedia" so viel Ressourcen wie irgend moeglich zu opfern. Dass im Zuge dieser Entwicklung auch das Internet, in dem sich sonst nur wissenschaftende UNIX-User bewegten, der Flut der WINDOWS-User mit ihren Bildchen und Chats geoeffnet wird, haelt nicht nur der Echte DOS-User fuer schlecht. "Multimedia" -- Du troestest uns ueber die Instabilitaet WINDOWSs hinweg. Wenn keine Performace da ist, soll dieser traurige Umstand wenigstens durch Bildchen und Animatioenchen uebertuscht werden und wenn doch Performance da ist (weil WINDOWS doch nicht gegen einen P6 ankommt), dann muessen eben noch mehr Bitmaps und Klangevents her, bis sie wieder weg ist. Da sitzt er -- der frischgebackene WINDOWS-Benutzer (Verzeihung: -Uhser), mit dem tollsten Betriebssystem, das momentan erhaeltlich ist (abgesehen von DOS vielleicht) (und WINDOWS NT natuerlich) (OS/2 ist eigentlich auch besser) (UNIX sowieso) und jedes Mal, wenn er einen Mausklick durchfuehrt, erklingt ein herrlicher Dolby-Surround-Sound-Effekt. Einstmals beschraenkte sich dieses Erlebnis auf das schnoede "Klick" der Maus, auch ein primitives "Dinggg" soll es mal gegeben haben, aber dem ist ja nun abgeholfen: Zufrieden lauschet der WINDOWS-Anwender seinen _selbsteingestellten_ Sounds und praesentiert seine witzigen Einfaelle stolz dem Zuhoerenswilligen. Pro Tag schlaegt der Echte DOS-User etwa 2048-mal die ENTER-Taste. Man stelle sich vor, dieses wuerde jedesmal mit dem 3-sekuendigen witzigen Anfang von "Bonaza" (o.ae.) untermalt. Dieses wuerde den Echten DOS-User exakt 1 Stunde, 42 Minuten und 24 Sekunden kosten ! Nun hoeren Sie sich mal eine Stunde lang "dum dede dum dede dum dede dum -- BONANZAHHH" an. Genauso fuehlt sich auch der WINDOWS-Benutzer, wenn er dieses Klang-Erlebnis mit dem Oeffnen eines Fensters verbunden hat. Der Werbefilm hoert natuerlich auf, wenn der verzweifelte WINDOWS-Benutzer nach dem 358. Bonanza hektisch den Ordner zu suchen beginnt, wo man dieses Multimedia-Event wieder ausschalten kann -- wobei ihm natuerlich bei jedem falschen Ordneroeffnen freundlich "dum dede dum dede dum dede dum -- BONANZAHHH" entgegenschallt. Nun, der Echte DOS-User entledigt sich dieses Problems unter dem fremdartigen Betriebssystem mit einem unwesentlichen Hardware-Eingriff (32-Bit- Dolby-Stereo-Lautsprecher sind interessante Wurfgeschosse). Aber das ist ja noch lange nicht alles, was WINDOWS zu bieten hat, um aus dem tristen Computer ein wahres Gefuehlserlebnis zu machen. Man klickt auf ein Bildchen (sorry: Symbol), das Dingen dreht sich, huepft herum, morphiert schliesslich 3-dimensional zu einem Huhn, schillert kurz in allen 16,7 Mill. Farben und poppt dann schliesslich gekonnt zu einem WINDOWS-Fenster auf. Sowas wollen die WINDOWS-Anwender halt gerne sehen. Neben der Moeglichkeit, sich die "Arbeitsoberflaeche" mit einem Hintergrundbildchen zu versuessen, kann man sich auch noch von Bildschirmschonern begeistern lassen (irgendetwas muss WINDOWS ja koennen). Waehrend der Echte DOS-User sich als Bildschirmschoner einfach des grossen Knopfes unten rechts am Monitor bedient (und damit auch noch vorbildlich Strom spart), testet der WINDOWS-Anwender mit solchem Enthusiasmus die neuen Bildschirmschoner durch, dass der Bildschirmschoner weder den Bildschirm noch den WINDOWS-User schont. Es sei angemerkt, dass der Zweck dieser Erfindung eigentlich nicht darin lag, den untaetigen Anwender zu unterhalten, sondern das Einbrennen der WINDOWS-Arbeitsoberflaeche in den Monitor und den Benutzer zu verhindern. Diesen Ziel erreicht ein einfaches Schwarzschalten des Monitors (wie es unter DOS besonders einfach ist) unumstritten am effizientesten mit der angenehmen Nebenwirkung, dass Ressourcen beim Compi (bis zu 20% Energie) und auch beim sonst gefesselt auf die fliegenden Sterne starrenden Angestellten eingespart werden. Die VisualBasic-Programmierer bei MICROSOFT scheinen dagegen ueberhaupt nicht gespart zu haben: Kopiert man unter WINDOWS eine Datei, so geschieht das nicht einfach schwuppsdiehubbeldiekatz noch waehrend man die ENTER-Taste loslaesst (wie unter DOS), sondern unterlegt von Sound-Effekten, Bildchen und Prozentanzeige. Es oeffnet sich ein Fenster (was sonst), links wird ein Ordner angezeigt und rechts wird ein Ordner angezeigt und der beglueckte WINDOWS-User kann die Kopieraktion Byte fuer Byte miterleben, indem er jedes symbolisch hinueberflatternden Blatt mit der typischen Kopfbewegung mitverfolgt. Er ist von dieser programmtechnischen Meisterleistung dermassen geblendet, dass er vergisst, auf diese bekloppte Sanduhr zu starren und sich minutenlang vom Kopierspektakel faszinieren laesst. Der Echte DOS-User weiss natuerlich, dass WINDOWS nicht wirklich so lange zum Kopieren braucht, nur erfordert die Berechnung der fliegenden Blaettchen so viel Rechenpower, dass sich Kopieren unter WINDOWS durchaus ueber mehrere kostbare Sekunden hinstrecken kann. Auch das Loeschen einer Datei hat nicht mehr primaer den Zweck, die Platte freizuschaufeln. Viele WINDOWS-User haben noch nie in ihrem Leben eine Datei willentlich geloescht, denn sie haben zu Recht Angst vor den Alarm-artigen Warnungen beim Loeschen einer Datei: "Wollen Sie diese Datei wirklich loeschen ? Sie koennen diese Datei doch nicht wirklich loeschen !?" "Wollen Sie diese ausfuehrbare Datei wirklich loeschen ? Sie koennen das Programm danach nicht mehr starten !!" ... und so geht das fuer jeden Dateityp. Der Echte DOS-User haelt daher jeden WINDOWS-User fuer ein Weichei und loescht selbst unnachgiebig und unerbittlich alles, was ihm auf den ersten Blick zuviel erscheint. Die Sicherheitsabfragen (falls ueberhaupt vorhanden) hat er entweder abgestellt oder bestaetigt sie als jahrelang eintrainierte Tastaturfolge direkt mit einem Schlag auf ENTER. Nun mag man natuerlich denken: Was wech is is wech. Aber nix da ! WINDOWS pfuscht auch hier herum und loescht die Dateien noch nicht einmal wirklich. Da belegen die Files, deren Bytes eigentlich laengst recycled wiederverwendet werden sollten, noch voreinstellungsgemaess 10% der Platte (bei einer 2GB-Platte immerhin 200 MegaBytes). Und die unentschlossene Natur, die sich aengstlich zu einem Loeschen durchgerungen hat, kann die Files dann doch wieder herausholen -- fuer den Echten DOS-User ein klares Zeichen von Schwaeche ! Ueberhaupt ist der Explorer dem anstaendigen Echten DOS-User ein Graus: Da scrollt man (mit der Tastatur natuerlich) in dem Verzeichnisbaum umher (warum hat der eigentlich noch keine Blaetter und muss nicht gegossen werden ?) und auf jedem Verzeichniseintrag stoppt WINDOWS augenscheinlich das System, zeigt die gefuerchtete Sanduhr und liest das Verzeichnis ein. Aber nicht einfach zack, sondern Datei fuer Datei zum Mitlesen. Zu jedem File wird ein Bildchen angezeigt (jede Datei wird also einmal geoeffnet) und rechts daneben finden sich aufschlussreiche Informationen. Beispielsweise steht neben der Datei "ansi.set" die Info "SET-Datei". Dankeschoen, WINDOWS ! Der Echte DOS-User ist in der Lage, am DOS-Prompt, mit Hilfe von genial programmierten Batchdateien oder dem vom eingefleischten Echten DOS-User heissgeliebten Norton Commander und seinen Derivaten innerhalb weniger Tastenschlaege GigaByte-grosse Dateiaktionen durchzufuehren, fuer die ein WINDOWS-Anwender am Explorer Tage braeuchte. Notfalls koennte sich der Echte DOS-User ja mit den langen Dateinamen anfreunden (auch wenn sie natuerlich alle Ansaetze von Kreativitaet zerstoeren, die man beispielsweise benoetigt, um Dateinamen wie "D3Dtxt4U.rem" zu schaffen) -- was ihm aber immer zuwider sein wird, ist das Zuschuetten mit Icons: Jede Text-Datei, jede Anwendung, jedes Verzeichnis, jede Piss-Fragebox, ja jede Icon-Datei hat ihr eigenes Bildchen. Diese Farbenvielfalt ist zuviel fuer den Echten DOS-User und welcher ernstzunehmende Mensch gibt sich denn mit solchen primitiven Ausdrucksmitteln ab ? Auch ist dem Echten DOS-User ein natuerlicher Ekel vor rattenaehnlichem Getier angeboren. Der Echte DOS-User, der ja bekanntlich in einer Airconditioning-Umgebung lebt und somit aus Prinzip kein Fenster oeffnet, fasst deshalb die Maus nur in unumgaenglichen Notsituationen an. Meistens findet er sie auf seinem Papier- und Disketten-ueberwucherten Schreibtisch jedoch kaum, was unter anderem daran liegen kann, dass er sich nicht mehr erinnert, ob er ueberhaupt im Besitz dieser "Eingabehilfe" (kurz: Kruecke) ist. Sollte er doch eine gefunden haben, fehlt ihm natuerlich der Platz zum Rumschieben und obgleich ein passionierter Echter DOS-User den Doppelklick viele Nanosekunden schneller ausfuehren kann als ein WINDOWS-Anwender, aergert ihn die Ineffizienz des zweiten Klicks. Man muss doch auch nur _ein_mal ENTER hauen und erzielt damit eine Zeitersparnis von 50%. Die Maus ist jedoch das Lieblingstier des WINDOWS-Benutzers und er steichelt und klickt es liebevoll bei jeder Gelegenheit. Es ist ein Wunder, dass bei neueren PCs ueberhaupt noch eine Tastatur mitgeliefert wird, zumal schon Geruechte entstehen, man koenne sich zukuenftig auch Woerter mit Hilfe einer visuellen (am besten noch virtuellen !) Tastatur zurechtklicken. Das Daemlichste an WINDOWS ist und bleibt aber immernoch der Start-Button. Ein Klick: Das Start-Menue poppt auf. Man bewegt die Maus auf Programme, spart den Klick (wartet dafuer aber 2 Sekunden) und Popp: Das Menue Programme ist da. (Hier verlaesst uns der Echte DOS-User, weil er seine "MS-DOS-Eingabeaufforderung" entdeckt hat und sofort darin verschwindet). Wir aber machen weiter: Die Maus auf "Zubehoer" (wart, dauer) -- Popp: Das Menue "Zubehoer". In der Liste das ersehnte "Multimedia" suchen, dann warten -- Popp: Das Menue "Multimedia". Wir suchen "Sound" -- Popp: Das Menue "Sound", wegen Platzmangels nun nach links aufklappend und programmtechnisch hochwertig das Startmenue ueberlagernd. Sound, Sound... wo ist "SuperPlayer" ? Da -- und (schneck) Popp: Das Menue "SuperPlayer", schraeg nach oben links den letzten Platz am Bildschirm ausfuellend. Da jetzt noch das Bildchen der ausfuehrbaren Datei und Klick -- daneben. Beleidigt klappt WINDOWS den muehsam erstellten Baum wieder zu (klack, klack, klack) und wir duerfen von vorne anfangen. Nun ist auch klar, womit der WINDOWS-Anwender einen Grossteil seiner Zeit verbringt. Unser Echter DOS-User ist ja soeben gluecklich in der DOS-Box verschwunden. Doch oh, wie hat man sein DOS verkrueppelt ? Man hat es gewagt, das einstmals so herrliche DOS-System in eine DOS-Box, ein Fenster gar, zu quetschen ! Diesem Missstand ist ja bekanntlich durch ein paar Mausklicks abzuhelfen, aber das ist kein echtes DOS, das der Echte DOS-User da unter den Fingern hat ! Taktet er die Kiste einfach runter, so faengt WINDOWS beim naechsten Mal an zu jaulen und ueberhaupt: Wo ist der Norton Commander ? Jener 1024-mal geklonte Dateimanager, dessen Urahne, so die Legende, noch in BASIC geschrieben wurde ? Tippt der Echte DOS-User "NC", so schleudert ihm das System nicht wie gewohnt freundlich "Bad command or filename" entgegen, nein: Das WINDOWS-System informiert den interessierten Anwender, dass der eingetippte Name weder eine ausfuehrbare Datei ist, noch als Textdatei interpretiert werden konnte und auch keine Musikdatei ist, WINDOWS aber alles Erdenkliche versucht habe. Es koenne jedoch eventuell sein, dass der hochwohlgeneigte Anwender sich vertippt habe (wofuer sich WINDOWS natuerlich entschuldigt) oder es ihm aber bisher noch nicht moeglich gewesen sein koennte, die Umgebungsvariable "PATH" anzugleichen, zu was das System aber bei dieser Gelegenheit untertaenigst raten moechte. Nachdem der User diese wichtigen Daten erfahren hat, steht ihm endlich wieder das DOS-Prompt zur Verfuegung. Manche Echte DOS-User machen sich allerdings auch einen Spass daraus, die DOS-Box in den Vollbild-Modus zu schalten und aus sicherer Entfernung den WINDOWS-Anwender zu beobachten, der, panikartig beidhaendig die Maus traktierend, verzweifelt versucht, sich und sein Lieblingstier wieder aus der DOS-Box zu befreien. Angeblich sollte WINDOWS ja _die_ Spieleplattform ueberhaupt werden. Doch was findet der Spielwillige ? Mitgeliefert werden Spielspass anheizende Programme wie Solitaer und Minesweep, die die neue 32-Bit-Umgebung natuerlich voll ausreizen. Da wendet sich der Echte DOS-User doch lieber sinn-stiftenderen Dingen zu (Doom, Quake). Die wenigen Errungenschaften, die notgedrungen mit einem neuen Betriebssystem ins Haus fallen (32-Bit, bessere Graphik) macht WINDOWS allesamt durch seine pfeilschnelle Performance wieder wett, sodass mit Zusatzproggies wie DirectX u.ae. erst wieder der in realitaetsnaher Zeit stattfindende Zugriff auf die Graphik eingefuehrt werden musste, den es unter DOS schon seit Jahren gibt. Zudem unterbricht WINDOWS die Spiele gerne mit Lappalien wie einer "Allgemeinen Schutzverletzung" (die, wie der Echte DOS-User weiss, immer angefuehrt wird, wenn die Nennung des wirkliche Fehlers zu peinlich waere) oder mit der Nachricht, dass irgendeine DLL mit den Fehlermeldungen auf sued-hinter-brasilianisch nicht gefunden werden konnte. Es mag durchaus sein, dass irgendein Echter DOS-User es fuer noetig befand, mal wieder ein paar von den ueberall verstreuten DLLs der letzten 5 Jahre wegen Nutzlosigkeit zu entsorgen. Und waehrend der WINDOWS95-User sich auf seiner tollen Spieleplattform noch mit einem Autorennspiel, das mit Maus bedient wird (Maus vorwaerts schieben zum Fahren), herumschlaegt, hat der Echte DOS-User laengst sein WINDOWS 3.11 der Restmuelltonne zugefuehrt und vergnuegt sich hemmungslos und mit aufrichtiger Natuerlichkeit an dem neusten 3D-Baller-Spiel von IDsoft. Um dem Analphabetismus entgegenzukommen, bedroht das "Klick-Dich-Doof"- Syndrom nun auch die wuerdigste Beschaeftigung am Compi: Das Programmieren. Denn wo sich einstmals ein ehrenhafter Echter DOS-User naechtelang mit einem Assembler-Programm herumschlug und auch noch das Letzte an Speed und Performace aus dem Prozessor zu quetschen suchte, dort, wo Echte Programmierer die genialsten Routinen unter FORTRAN ersannen, stampfen nun Errungenschaften wie VisualBasic oder gar Delphi auf. In Sekundenschnelle lassen sich Horror-Elemente wie Fenster, Buttons und Icons zu Applications zusammenklicken, man kann nicht mehr wie gewohnt mit dem Betriebssystem rummachen und dem Echten Coder ist jeder Einfluss auf seinen Compi genommen. Was ein Echter DOS-User mit dem 21 Byte grossen Programm "@echo Hello World !" bewerkstelligt, ergibt eine 186368 Byte (!) grosse Delphi-Datei (mit 5 Form-Dateien, 7 Icons, ein paar Projekt-Dateien und den verschiedenartigsten Units). Die gesamte Programmiererkultur wird mit den Fuessen getreten, wenn man sieht, was fuer einen Muell diese WINDOWS-Application in der EXE-Datei ablaedt: Zuersteinmal "This program must be run under Win32" bzw. speicherresidente Programme: "This virus requires Microsoft Windows". Sodann finden sich dort, fein saeuberlich aufgelistet, die internen Namen der Runtime-Fehler, aller Datentypen (im Klartext, wohlgemerkt), einiger Prozeduren (sorry: Methoden), aller Instanzen und Menue-Elemente, aller "Events", aller Eigenschaften des Fensters, aller Konstanten und vordefinierten Werte (immernoch alles im Klartext), noch mal ein paar Namen von beispielsweise Farben, Schrifttypen etc., die Wiederholung der Events, der obligatorische "Runtime error at", die Namen aller Methoden aller Units, mehrere Bitmaps und - zu guter Letzt - alle Fehlermeldungen des Compilers. Nun ja, das tut die niedrigste aller Programmiersprachen, BASIC, auch -- ABER NIEMALS IM 32-BIT-UNICODE !!! Diese segensreiche Erfindung ermoeglicht die Darstellung (insbesondere von Fehlermeldungen) mit 65536 Zeichen, also auch auf berg-koreanisch und arabisch platt. 256 Zeichen sind dem Echten DOS-User vollauf genug, zumal sich WINDOWS sowieso schon erfolgreich dem heiligen ASCII-Standard widersetzt, indem es ANSI publiziert und ausserdem Umlaute und dergleichen Ueberfluessiges mehr unterstuetzt. Mit Unicode ist also die Darstellung aller 4000 chinesischen Schriftzeichen auch auf dem heimischen Computer moeglich geworden ! (Als unwesentliche Nebenwirkung werden alle Text-Dateien doppelt so gross.) Nachdem also die ausfuehrbare Datei mehr Fehlermeldungen als Code enthaelt und somit sowieso saemtliche Optimierungskuenste des Programmierers ad absurdum gefuehrt sind, entsteht nebenbei der Eindruck, WINDOWS wuerde seine Programme eigentlich von vorne herein wie ein BASIC-Interpreter im Klartext abarbeiten. Diese These erklaert auch die ueberragende Geschwindigkeit von WINDOWS-Applications. Was tut nun der WINDOWS-Anwender, wenn er nicht gerade im Start-Menue herumklickt oder aufregende Spiele wie Solitaer spielt ? Genau: Er kaempft gegen WORD. Der charakteristische WINDOWS-User schafft immer oefter den Doppelklick (wenn auch natuerlich nicht mit einer solchen Eleganz wie der Echte DOS-User) und siehe da: WORD wird gestartet (zu sehen an der Sanduhr). Ein Bildchen, dass den Anwender beruhigen soll und den baldigen Start von WORD ankuendigt. Noch schnell ein paar Plattenzugriffe. Eben ein Fenster aufmachen. Kurz die Konfiguration laden. (Die erste halbe Stunde ist schon rum) Die Warteschleife abarbeiten. Fenster minimieren. Fenster animieren. Fenster maximieren. Fenster auf Normalgroesse. (Die zweite...) Und da isses ! Inzwischen hat der Echte DOS-User schon laengst den DOS-Editor gestartet, die Zeile "Hi Jan, hier die gecrackte Version. C U" in die Tasten geschlagen und spielt schon seit 58 Minuten DOOM. Aber wir waren ja bei unserem WINDOWS-Anwender. Der tippt nun mit sichtlicher Muehe (nachdem er festgestellt hatte, dass es mit der Maus einfach nicht geht) auch seine Buchstaben, um danach mit Lektuere der Onnlain-Hilfe den Text zu layouten. Er steht vor Entscheidungen wie ob er den Text lieber lila gekringelt oder hellrosa schraffiert unterstreichen moechte, ob er als Schriftart lieber das unlesbare WINGDING oder das genauso unlesbare SYMBOL nehmen moechte, ob der Text zentriert, kopfstehend oder linkslastig geeiert sein soll oder ob die eine Zeile ein Aufzaehlungszeichen erhalten soll und die Woerter tabellarisch nach Herkunftsland sortiert werden sollen. Es ist faszinierend, dass der WINDOWS-User fuer diese Taetigkeit noch mehr Zeit braucht, als er schon fuer das Tippen der Zeile benoetigte. Zum Schluss wird noch schnell ein Briefe-Header eingefuegt, eine Seitennummerierung ("Seite 1 von 1") erstellt, Pfalz- und Knick-Linien in Zoll, Zentimeter und Punkten eingezeichnet, die Druckereinstellung ueberprueft, eine Seitenansicht mit der einen Zeile angefertigt, eine Rechtschreibpruefung geladen, die auch selbsttaetig "Jan" durch "Jahrmarkt" ersetzt, diverse Kommata setzt und sich wieder verabschiedet, und zu allerletzt wird garantiert irgendein Bitmap-Bild eingefuegt. Wie jeder weiss, ist das Bitmap-Format das Primitivste, was es gibt: Jeder Punkt des Bildschirmes wird Byte fuer Byte in eine Datei getan, es kommt ein schoener Header davor ("Dieses ist eine Bild-Datei. Bitte nicht als Musikdatei abspielen" o.ae.) und fertig ist das Paket. Da GIF und aehnliche bekanntlich weit schneller, kleiner und besser sind, hat WINDOWS in tapferem Gegenzug das Bitmap-Format zu seinem Standard erkoren, und so finden sich ganze Heerscharen dieser sich von Speicherplatz ernaehrenden suessen possierlichen Tierchen auf einem WINDOWS-Rechner. Unser WINDOWS-Anwender sitzt nun raetselnd vor den kryptischen Bildchen in der Symbolanzeige, die ihm das Dateimanagement erleichtern sollen. Was der Echte DOS-User mit ALT+D,s erreicht, wird fuer den WINDOWS-Anwender zum lustigen Ratespiel: Hinter welchem Icon verbirgt sich die Funktion "Speichern" ? Da sind Scheren, Disketten, Pfeile, Order und viele lustige Dinge mehr. Bekanntlich kann ein falscher Klick oder eine nicht von WINDOWS eingeplante Tastenbetaetigung ganz interessante Ablaeufe hervorrufen, deren Wirken dann meist die wichtigsten Daten nicht ueberleben. Nehmen wir der Einfachkeit halber an, der WINDOWS-User habe den richtigen Button erwischt, schnell einen 255 Zeichen langen Dateinamen eingegeben und die Datei unter Zuhilfenahme der fliegenden Blaettchen in einer Zahnrad-Kurbelprozedur endlich auf die Diskette bekommen. Dann spielt der Echte DOS-User trotzdem schon seit 143 Minuten DOOM. Betrachten wir zunaechst mal den typischen Compi-Neuling, der soeben einen neuen Kompjuter gekauft hat -- ganz toll mit ganz viel Bytes und Zolls und Herzen. Es gibt nur _ein_ Betriebssystem, das seiner wuerdig waere: WINDOWS. Zuersteinmal studierte unser Neuer dickste Buecher "Bin doof mit WINDOWS", besuchte diverse Kurse mit ganz viel Multimedia und ist jetzt ganz wild auf seinen fortschrittlichen Rechner mit ganz viel Multimedia (falls wir das Wort noch nicht anbrachten) und ganz viel Bit (wobei man auf keinem WINDOWS-Kurs lernt, dass OS/2 ganz friedlich seit 1992 32-Bit Unterstuetzung bietet). Die erste Stunde verbringt jeder Computer-Neuling mit dem Ueben des Doppelklicks. Waehrend zuerst noch zwischen zwei Klicks der Bildschirmschoner angeht, ist der angehende WINDOWS-User bald in der Lage, zumindest beide Male die linke Maustaste zu erwischen und nicht aus Versehen mit der rechten im Kontextmenue die Platte zu formatieren (zumal die Sicherheitsabfragen sich sehr schnell durch hektisches Traktieren der Maus mit ungeuebten Haenden mit "Ja" beantworten lassen). Wenige Zeit spaeter trifft er auch mit beiden Klicks die selbe Stelle und poppt so nicht jedes Mal zu seinem Schrecken das Startmenue auf, und noch ein bisschen spaeter kann er mit seinem Doppelklick das erste Fenster oeffnen (vorausgesetzt die Voreinstellung fuer den Doppelklick wurde auf ueber 5 Sekunden eingestellt). Da strahlt der WINDOWS-Benutzer und angesichts dieses seines ersten Erfolges kann er stolz sein: Viele WINDOWS-Benutzer kommen ein Leben lang nicht ueber diesen Erkenntnisstand hinaus. Einfaeltig klicken Sie mit jedem Computer-Booten Start- Programme- Zubehoer- Spiele- Solitaer und sind sehr zufrieden, ihren Pentium 200 (8 GB Platte, 64 MB RAM) zum Kartenspielen zu benutzen. Man kann sie richtig schocken, wenn man ihnen eines Tages zeigt, dass man mit Compi auch Bilder malen kann oder schoene 3D-Ballerspiele machen kann. Eine besonders fiese Variante ist es, die Icons auf der Arbeitsoberflaeche von links nach rechts zu verschieben oder gar geradezu hinterlistig zu vertauschen, sodass der WINDOWS-Benutzer ("Aber ich habe immer da hin geklickt !") statt Solitaer beispielsweise eine DOS-Box aufmacht. So werden Computer-Soforthilfe-Dienste reich. Oh, wie soll das enden ? Das innige Verhaeltnis eines Echten DOS-Users zu seinem Compi wird aussterben, es kommen Zeiten, in denen nicht der Anwender das Betriebssystem verarscht sondern andersrum ! Wenn WINDOWS98 im Jahre 1999 auf den Markt kommt -- kann man einem WINDOWS-User dann einen Gameboy als Pentium verkaufen ?