Share

Aktionen gegen die Beschneidung von Knaben

Einführung

Die Beschneidung ist das Entfernen der Vorhaut des Penis [1]. Dieser Eingriff kann auch medizinischen, hygienischen, oder auch religiösen Gründen erfolgen. Auf dieser Webseite geht es um die Beschneidung von Knaben, d.h. die Beschneidung von Kindern oder Säuglingen. Das Landgericht Köln hat in einem Urteil vom 2012-05-07 entschieden [2], dass die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen eine Körperverletzung darstelle und damit rechtswidrig sei. Das hat in Deutschland eine Kontroverse ausgelöst, da die Beschneidung von Knaben Bestandteil jüdischer und muslimischer Tradition ist. Zur Zeit diskutieren Ethikrat, Regierung, und Öffentlichkeit, wie in dieser Frage zu entscheiden sei.

Gründe dagegen

Diese Webseite wendet sich gegen das Beschneiden von Knaben ohne medizinische Indikation, aus den folgenden Gründen:
  1. Die Beschneidung ist ein Eingriff, der die körperliche Unversehrtheit des Kindes irreparabel verletzt. Da das Kind nicht einwilligungsfähig ist, geschieht der Eingriff ohne Einwilligung des Patienten. (Rechtliche Argumente siehe unten)
  2. Der Eingriff ist überaus schmerzhaft, insbesondere da er bei religiösen Beschneidungen im Allgemeinen ohne Betäubung und nicht von medizinischem Fachpersonal durchgeführt wird [13] (Beispiel hier [7]).
  3. Auch wenn der Eingriff in den Industriestaaten meistens ohne Komplikationen verläuft, birgt er doch schwerwiegende und unumkehrbahre Risiken: Knotenbildungen, Verwachsungen, psychischen Schäden, Austrocknung der Schleimhaut, schwere Verletzungen bis hin zur Amputation des Penis oder dem Tod des Patienten [5]. Die Existenz des Risikos genügt bereits, um auf die Operation zu verzichten wenn sie nicht nötig ist. (Medizinische Argumente siehe unten)
  4. Die Beschneidung ist ein religiöses Symbol. Durch die Beschneidung wird dem Kind damit ein Symbol aufgezwungen, was es Zeit seines Lebens tragen wird — auch wenn es sich nicht mehr mit der Religion identifizieren möchte.
Diese Webseite ist der Ansicht, dass jeder selbst entscheiden soll, ob er aus religiösen Gründen beschnitten werden möchte oder nicht. Eine solche Entscheidung kann man aber erst treffen, wenn man dafür selber die volle Verantwortung übernehmen kann. Das ist vermutlich (auch aufgrund emotionalen und sozialen Drucks in der Familie und Gemeinschaft) erst ab der Volljährigkeit möglich.

Rechtliche Gründe

Diese Webseite vertritt die folgende Grundeinstellung:
Jeder Mensch hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit [9]. Das gilt auch, und vor Allem, für Kinder.
Dieses Recht leitet sich nach Ansicht dieser Webseite her aus:
  1. Artikel 5 der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte, in dem es heißt: Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden. [3]
  2. Artikel 24 der UN-Kinderrechtskonvention, in dem es heißt: Die Vertragsstaaten treffen alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen. [14]
  3. Artikel 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, in dem es heißt: Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.[8]
  4. Artikel 18 der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte, in dem es heißt: Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln. [4].
Diese Rechte gelten insbesondere für Kinder, da sie nach Artikel 6 des Grundgesetzes [8] unter dem besonderen Schutz der Gesellschaft stehen. Sie gelten auch insbesondere deshalb, weil das Kind noch nicht einwilligungsfähig ist.

Die obigen Grundrechte schützen ebenfalls das Recht auf freie Religionsausübung. Man kann also argumentieren, dass es ein Grundrecht der Eltern ist, ihre Kinder nach ihren religiösen Vorstellungen zu beschneiden. Nach Auffassung dieser Webseite bezieht sich die Religionsfreiheit jedoch nur auf das Recht des Einzelnen, seine Religion zu leben. Sie erlaubt nicht, anderen religiöse Symbole aufzuzwingen. In den Worten von Barack Obama: Religious freedom doesn't mean you can force others to live by your own beliefs.

In jedem Fall findet die Religionsfreiheit ihre Grenzen in den Rechten des anderen. Artikel 140 des Grundgesetzes sagt: Die bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten werden durch die Ausübung der Religionsfreiheit weder bedingt noch beschränkt. Mit anderen Worten: Die Religionsfreiheit enthebt die Eltern nicht von ihren anderen Pflichten, und setzt auch nicht die Rechte anderer außer Kraft. Die Abwägung dieser Grundrechte gegeneinander hat der Gesetzgeber also bereits zugunsten des Kindes entschieden.

Medizinische Gründe

Es gibt eine ganze Reihe von Dokumentationen, die sich mit medizinischen Gründen gegen die Beschneidung von Knaben beschäftigen. Genannt seien hier
  1. Die Links "Medizinische Artikel" unter http://pro-kinderrechte.de/links/
  2. Die Stellungnahme der Kinderärzte Deutschlands hier
  3. Die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie
  4. Die Stellungnahme der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung
  5. Die Stellungnahme von 19 europäischen Kinderärzteverbänden [18] (deutsch: [19])
  6. Mehr medizinische Information im Pflegewiki (Vorsicht, mit Bildern)
Beschneidungen führen, wenn sie fachgerecht und unter Betäubung durchgeführt werden, nur sehr selten zu Komplikationen. Nach Ansicht dieser Webseite ist allerdings bereits die Existenz eines Risikos, und die Tatsache eines physischen Eingriffs selber Grund genug, um von der Operation abzusehen, wenn sie nicht medizinisch nötig ist.

Gründe dafür

Es werden oft folgende Argumente für die Beschneidung angeführt:
  1. Beschneidungen werden seit Jahrtausenden durchgeführt.
    Das ist richtig. Es kann aber kein Grund sein, sie auch weiter durchzuführen. Viele Riten, die Menschen seit Jahrtausenden befolgt haben, sind mittlerweile glücklicherweise abgeschafft. Wer vor der Ehe Sex hat wird beispielsweise nicht mehr gesteinigt.
  2. Die Beschneidung ist ein relativ kleiner und harmloser Eingriff.
    Das ist umstritten (siehe medizinische Gründe). Selbst wenn der Eingriff meistens ohne Komplikationen verläuft, bleibt er trotzdem ein Eingriff.
  3. Wenn Beschneidung illegal ist, dann auch die Taufe!
    Die Taufe fügt einem Kind keinen bleibenden körperlichen Schaden zu.
  4. Wenn Beschneidung illegal ist, dann auch Ohrlöcher stechen!
    Diese Parallele wurde in der Tat gezogen, und ein solches Verbot wird diskutiert.
  5. Beschneidungen werden von der Weltgesundheitsorganisation aus Gründen der AIDS-Bekämpfung empfohlen.
    Das ist richtig. In den Industriestaaten allerdings sind die Hygienestandards ausreichend hoch, um das Infektionsrisiko gering zu halten. Auch kann eine Beschneidung mit der Volljährigkeit diesen Zweck immernoch erfüllen. Die Weltgesundheitsorganisation beschränkt ihre Empfehlung auch ausdrücklich auf zustimmungsfähige Patienten: Countries should ensure that male circumcision is provided with full adherence to medical ethics and human rights principles, including informed consent, confidentiality, and absence of coercion. (Hervorhebung nicht im Original) [12]
  6. Die American Academy of Pediatrics (AAP) sieht Beschneidung positiv.
    Die AAP stand der Beschneidung zunächst kritisch gegenüber [16]. Sie hat diese Einstellung allerdings revidiert [15]. Das kann sie auch, denn die USA hat als einziges Land der Erde mit Somalia die UN-Kinderrechtskonvention nicht unterzeichnet [17]. Mit ihrer Ansicht steht die AAP unter den Industrienationen weitgehend allein da, und ein ebenfalls bei der AAP veröffentlichtes Papier kritisiert diese Haltung mit deutlichen Worten [18] (deutsch: [19]).
  7. Die Beschneidung ist aus religiösen Gründen im Islam geboten.
    Diese Ansicht ist umstritten. Der Koran selber nennt die Beschneidung nicht.
  8. Die Beschneidung ist aus religiösen Gründen im Judentum geboten.
    Das mag zwar sein, kann aber nach Ansicht dieser Webseite nicht das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit überwiegen. Eine Religion darf nicht als Freibrief für Körperverletzung dienen. Würde nicht das Judentum, sondern eine kleinere Religion oder Sekte den Eingriff verlangen, so würde er vermutlich als brutaler Ritus kritisiert.
  9. Mit dem Beschneidungsverbot beschränkt man die Erziehungsfreiheit der Eltern.
    Das ist richtig. Allerdings beschränkt man diese nicht mehr als das bereits vorher der Fall war: Das Kind hat nach Paragraph 1631 BGB Abs. 2 schon das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung [10].
  10. Gerade Deutschland muss sich dem Judentum über respektvoll verhalten.
    Das ist richtig. Allerdings fehlen in der Argumentation vom Holocaust bis hin zur Verstümmelung von Knaben einige Glieder.
  11. Das Beschneidungs-Urteil führt zur Rechtsunsicherheit für die Beschneider.
    Ganz im Gegenteil: Während die Beschneidung vorher in der rechtlichen Grauzone lag, ist sie nun rechtlich geklärt: Sie ist verboten. Die Rechtssicherheit wurde damit hergestellt.
  12. Das Beschneidungsurteil ist ein Eingriff in die religiöse Selbstbestimmung.
    Ganz im Gegenteil: Sie erlaubt dem Kind, später selbst über seine Religionszugehörigkeit und die entsprechenden Symbole zu bestimmen.
  13. Das Beschneidungsurteil diskriminiert Juden und Muslime.
    Ganz im Gegenteil: Das Bundeskinderschutzgesetz schützt in Deutschland Kinder vor Körperverletzung. Durch das Beschneidungsurteil wird dieser Schutz auch explizit auf Kinder ausgeweitet, die religiöse Beschneidungen erleiden — also auf jüdische und muslimische Kinder.

Analogien

In Deutschland gilt bereits
  1. Das Recht auf gewaltfreie Erziehung. In Paragraph 1631 BGB Abs. 2 heißt es: Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig. [10] Man darf Kinder also nicht schlagen. Warum dann beschneiden?
  2. Das Verbot, Hunde zu kupieren. Das Tierschutzgesetz verbietet es in Deutschland, bei Hunden den Schwanz zu kürzen. [11] Warum also nicht bei Menschen?

Aktionen

Die folgenden Aktionen wenden sich gegen die Beschneidung von Knaben ohne medizinische Indikation:
  1. Pro-Kinderrechte.de: Plakataktion, Spendenaufruf
  2. E-Petition beim Deutschen Bundestag gegen die rituelle Beschneidung
  3. Gegen-Kinderbeschneidung.de: Briefaktion zum Beschneidungsgesetz
  4. Die Deutsche Kinderhilfe: Petition zur Aufschiebung der Entscheidung
  5. Beschneidung-von-Jungen.de: Informationen
  6. Phimose-Info: Informationen
  7. Grünen-Politiker Memet Kilic: Politischer Kommentar
...und mehr.

Referenzen

Rechtliches

Der Autor Fabian M. Suchanek stellt die Inhalte dieser Seite unter einer Creative Commons Attribution-Noncommercial Lizenz zur Verfügung. Das heisst: Die Inhalte dürfen frei und gratis benutzt werden, jedoch nur unter Nennung des Autors und nicht für kommerzielle Zwecke. Außerdem übernimmt der Autor keinerlei Gewährleistung für die Inhalte. Alle Inhalte extern verlinkter Seiten unterliegen der Verantwortung ihrer jeweiligen Autoren. Alle Inhalte extern verlinkter Seiten unterliegen der Verantwortung ihrer jeweiligen Autoren. Diese Seite verwendet keine Cookies. Diese Seiten sind frei von Javascript. Der Share-Button sendet keine Informationen wenn er nicht angeklickt wird.

English

This text argues against ritual circumcision of boys. Some english resources on this topic are here: