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Die Medien und Silvester 2015/2016 in Köln

Wann haben die Medien und die Polizei von den sexuellen Übergriffen auf der Kölner Silvesternacht 2015/2016 berichtet?

(regionale Medien in lila)

1. Januar 2016

Polizeibericht: “Ausgelassene Stimmung - Feiern weitgehend friedlich. [...] Im Vergleich zum letzten Jahr stieg die Zahl der Körperverletzungsdelikte von 78 in Köln leicht an. 80 Mal wurde die Polizei tätig. [...] Kurz vor Mitternacht musste der Bahnhofsvorplatz im Bereich des Treppenaufgangs zum Dom durch Uniformierte geräumt werden. Um eine Massenpanik durch Zünden von pyrotechnischer Munition bei den circa 1000 Feiernden zu verhindern, begannen die Beamten kurzfristig die Platzfläche zu räumen. Trotz der ungeplanten Feierpause gestaltete sich die Einsatzlage entspannt”

Express.de: “mehrere sexuelle Übergriffen auf Frauen [...]. Entsprechende Berichte waren am Neujahrstag in sozialen Netzwerken aufgetaucht. Eine Betroffene meldete sich auch beim EXPRESS.”

Kölner Stadtanzeiger: “zwei Frauen sexuell belästigt worden”

Focus: “zwei Frauen sexuell belästigt worden [...] Das berichtet der “Kölner Stadt-Anzeiger”.”

2. Januar 2016

Polizeibericht: “Bei der Polizei Köln und der Bundespolizei erstatteten bis zum jetzigen Zeitpunkt knapp 30 Betroffene Anzeige. [...] Insbesondere Geldbörsen und Mobiltelefone wurden entwendet. In einigen Fällen gingen die Männer jedoch weiter und berührten die meist von auswärts kommenden Frauen unsittlich.”

Süddeutsche Zeitung: “Knapp 30 Betroffene haben bislang Anzeige erstattet. Es geht um Diebstahl - und um sexuelle Übergriffe. ” (vorher: kein Bericht)

RTLNext: “eine Gruppe Männer [soll] zahlreiche Frauen sexuell belästigt haben. Das berichtete der 'Kölner Stadtanzeiger'. Nach und nach wird nun das Ausmaß der Taten deutlich. 30 Opfer hätten bereits Anzeige erstattet.”

General-Anzeiger Bonn: “Übergriffe auf Frauen am Bahnhofsvorplatz. Bei der Polizei Köln und der Bundespolizei erstatteten bis Samstagnachmittag knapp 30 Betroffene Anzeige.”

Rheinische Post Online: “Rund um den Bahnhof Köln verzeichnet die Polizei in der Silvesternacht eine ganze Serie von Übergriffen auf Frauen. [...] Knapp 30 Betroffene hätten sich bereits gemeldet.”

Kölnische Rundschau: “Dort waren Frauen sexuell belästigt und bestohlen worden. [Es erstatteten] knapp 30 Betroffene Anzeige”

CityNews Köln: “Übergriffe an Frauen am Bahnhofsvorplatz. [... Es erstatteten] 30 Betroffene Anzeige”

3. Januar 2016

Polizeibericht: “[Es wurden] fünf Verdächtige auf einem Bahnsteig des Breslauer Platzes festgenommen. Die Männer hatten zuvor weibliche Reisende bedrängt.”

Welt: “In der Silvesternacht hatte eine Gruppe mit einer ähnlichen Masche Geldbörsen und Telefone in Köln gestohlen. Im Getümmel rund um den Dom und am Bahnhof sollen sie Frauen zur Ablenkung umzingelt und angefasst haben. In einigen Fällen wurden die Frauen nach Polizeiangaben auch unsittlich berührt.”

Focus: " In einigen Fällen wurden die Frauen nach Polizeiangaben auch unsittlich berührt.” (vorher lediglich der Bericht vom Kölner Stadtanzeiger)

News.de: “Mehr als 30 Frauen erlebten zu Silvester in Köln einen traumatischen Rutsch ins neue Jahr. 40 Männer sollen sie auf perfide Weise sexuell belästigt und ausgeraubt haben.”

T-online: “Die Polizei hat in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs fünf Männer festgenommen, die Frauen bedrängt und Reisende bestohlen haben sollen. Derzeit werde geprüft, ob die Gruppe auch für eine Reihe ähnlicher Übergriffe in der Silvesternacht verantwortlich ist”

4. Januar 2016

Polizeibericht: “Einladung zum Pressegespräch”

Spiegel Online: “Dutzende Frauen [haben] in Köln Anzeige wegen Diebstahls und sexueller Übergriffe [erstattet].”. (vorher kein Bericht)

FAZ: “zahlreiche sexuelle Übergriffe auf Frauen”. (vorher kein Bericht)

ARD/WDR/Tagesschau: “60 Anzeigen, ein Viertel wegen sexueller Übergriffe.” (vorher kein Bericht)

ZDF: Video-Bericht. (vorher kein Bericht)

7. Januar

Protokoll eines Polizisten: “[Es] liefen viele aufgewühlte Passanten auf die Einsatzkräfte zu und berichteten u.a. über [...] Schlägereien, Diebstähle, sex. Übergriffe auf Frauen usw. [... Frauen ] durchliefen einen im wahrsten Sinne “Spießroutenlauf” durch die stark alkoholisierten Männermassen, wie man es nicht beschreiben kann. [...] Wir kamen beide zu der Bewertung, dass die uns gebotene Situation (Chaos) noch zu erheblichen Verletzungen, wenn nicht sogar zu Toten, führen würde. [...] Im Einsatzverlauf erschienen zahlreiche weinende und schockierte Frauen/Mädchen bei den eingesetzten Beamten und schilderten von sex. Übergriffen durch mehrere männliche Migranten/-gruppen. [...] Maßnahmen der Kräfte begegneten einer Respektlosigkeit, wie ich sie in 29 Dienstjahren noch nicht erlebt habe.”

Welt: “Vorrangig ging es den meist arabischen Tätern um die Sexualstraftaten”

Zum Vergleich

Silvesternacht 2014/2015 in Köln. Polizeibericht: “Feiern weitgehend friedlich [...] Von Mittwochabend (31. Dezember) 23 Uhr bis heute Morgen (1. Januar) um 6 Uhr mussten die Beamten in Köln bei 78 und in Leverkusen bei 5 Körperverletzungen einschreiten. [...] Auch zum Jahreswechsel nutzten Taschendiebe die Gelegenheit und näherten sich den Geschädigten “tanzend an”. Dank aufmerksamer Zeugen nahm die Polizei Köln sieben Tatverdächtige im Alter zwischen 15 und 21 Jahren im Laufe der Nacht fest.”

Von Sexualdelikten wird nicht berichtet, ebenso nicht in den folgenden Tagen.

2-wöchiges Oktoberfest 2015 in München. Zeit: “2015 zählte die Münchner Polizei insgesamt 20 angezeigte Sexualdelikte beim zweiwöchigen Oktoberfest. Im Vorjahr waren es zwölf. Vergleichbare Vorfälle wie in Köln habe es auch in den Vorjahren auf der Wiesn nicht gegeben, so ein Sprecher der Münchner Polizei: “In der Dynamik und Größe wie in Köln ist uns das unbekannt.””

Kommentare dazu

Sueddeutsche Zeitung: “Davon, dass die sozialen Netzwerke “glühten”, wie später vor allem in rechten Internet-Foren behauptet wurde, gibt es jedoch keine Belege. Einzelne Zeugen stellten Berichte in die Kölner Facebook-Gruppe Nett-Werk, wo sonst hauptsächlich Gebrauchtgegenstände ausgetauscht werden. In den Hitlisten des Twitter-Auswerters Talkwalker kam das Thema Köln bis zum Montagmittag nicht vor. [...] Die große Aufmerksamkeit kam erst am Montagnachmittag — nach der Pressekonferenz von Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Polizeipräsident Wolfgang Albers. Erst sie enthüllten das ganze Ausmaß der Silvester-Übergriffe. Von diesem Abend an berichteten die Medien bundesweit davon”

Polizeigewerkschafter Wendt: “jeder Beamte weiß, dass er eine bestimmte politische Erwartungshaltung erfüllen muss”

ZDF: "Es war ein Versäumnis, dass die 19-Uhr-heute-Sendung [des ZDF vom 4. Januar] die Vorfälle nicht wenigstens gemeldet hat.”