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Lebens­ver­sich­erungen und Ren­ten­ver­sicher­ungen
als Geld­an­lage

Dies ist eine kritische Betrachtung von Lebensversicherungen und Rentenversicherungen als Geldanlage.

Durch das Weiterlesen akzeptiert der Leser, dass der Autor keinerlei Verantwortung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieses Textes übernimmt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Lebens- und Renten-Versicherungen allgemein
  2. Lebens- und Renten-Versicherungen sind Versicherungen
  3. Die Überschussbeteiligung ist nicht sicher
  4. Die steuerliche Bevorzugung und die staatliche Prämienzahlung ist nicht sicher
  5. Die Versicherungen haben undurchsichtige Konditionen
  6. Die Versicherungen sind extrem langfristig
  7. Die Versicherungen sind fest
  8. Die staatlichen Prämien bei einer Lebensversicherung hängen von der gesetzlichen Versicherung ab
  9. Die staatlichen Prämien machen die Versicherung erst attraktiv
  10. Der Gewinn der Versicherung ist gering

Lebens- und Renten-Versicherungen allgemein

Eine Lebensversicherung soll die Hinterbliebenen im Todesfall des Versicherten absichern. Rentenversicherungen dienen der Absicherung im Alter. Diese Versicherungen werden zu den unterschiedlichsten Konditionen angeboten. In diesem Text wird nur die folgende Form eines Vertrags zwischen Versicherungsunternehmen und Kunde behandelt: Der Kunde zahlt monatlich einen Beitrag an die Versicherung. Wenn der Kunde stirbt oder in das Rentenalter kommt, hören die Beitragszahlungen auf. Die Versicherung zahlt dann einen Betrag an den Kunden (oder die Hinterbliebenen). Dies geschieht entweder in Raten (als Zusatzrente) oder auf einen Schlag. Oft hat der Kunde Anspruch auf zusätzliche staatliche Prämien oder Steuerbegünstigungen.

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, eine Lebensversicherung oder eine Rentenversicherung abzuschliessen. Beispielsweise kann eine Lebensversicherung dazu dienen, die Familie im Todesfall abzusichern. In diesem Text wird hingegen angenommen, das Ziel sei eine sichere und einträgliche Geldanlage.

Da beide Versicherungstypen sich in dieser Hinsicht ähnlich verhalten, werden beide Typen in diesem Text zusammen behandelt und generell mit "Versicherung" bezeichnet. Die Frage in diesem Text ist, ob eine Versicherung eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung zu traditionellen Geldanlagen ist. Sie kann nur dann eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn sie Vorteile bietet, die eine traditionelle Anlage nicht bietet. Im Folgenden werden daher die Versicherungen als Geldanlage mit einer herkömmlichen Geldanlage (Tagesgeldkonto, Festanlage oder Sparplan) verglichen.

Die Informationen in diesem Text sind allgemeiner Natur. Sie können nicht die genauen Konditionen jeder Versicherung mit einbeziehen. Die hier genannten Punkte sind als Anregungen für Fragen an den Versicherungsberater zu verstehen.

Lebens- und Renten-Versicherungen sind Versicherungen

Eine Lebensversicherung dient der Absicherung gegen einen frühzeitigen Todesfall. Stirbt der Kunde, so zahlt die Lebensversicherung den vertraglich vereinbarten Betrag an die Hinterbliebenen. Dies gilt auch, wenn die Summe der bislang eingezahlten Beiträge noch unter dem ausgezahlten Betrag liegt. Die Versicherung zahlt in diesem Fall also mehr aus, als sie eingenommen hat.

Um dieses Risiko abzudecken, liegt der Auszahlbetrag für alle Kunden ein bisschen unter dem, was die Versicherung eigentlich ohne Beachtung des Risikos auszahlen könnte. Mit dieser Einsparung unterhält die Versicherung einen Geldtopf, aus dem die Risikozahlungen bezahlt werden. Das bedeutet natürlich für den nicht vorzeitig sterbenden Kunden, dass er weniger bekommt, als ihm "eigentlich" zusteht. Der Kunde zahlt also nicht nur für seinen Auszahlbetrag, sondern auch für das Risiko mit.

Ähnlich sieht es bei einer Rentenversicherung aus: Eine Rentenversicherung zahlt eine lebenslange Rente (oder erlaubt zumindest diese Option). Damit geht für den Versicherungsanbieter das Risiko einher, dass der Kunde sehr lange lebt, und dass die Rente somit sehr lange gezahlt werden muss. Dieses Risiko wird auf alle Kunden der Versicherung gestreut. Somit trägt jeder einzelne Kunde mit seinen Einzahlungen auch einen Teil dieses Risikos mit.

Wer also eine solche Versicherung als reine Geldanlage sieht, der sollte wissen, dass ein Teil seiner Einzahlungen in die Risikoabdeckung fliesst. Dies ist bei einer herkömmlichen Geldanlage nicht der Fall.

Die Überschussbeteiligung ist nicht sicher

Versicherer rechnen dem Kunden häufig vor, wie gross der Betrag sein wird, der ihm am Ende ausgeschüttet wird. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus der gesetzlichen Mindestrate und der sogenannten Überschussbeteiligung. Während die Mindestrate garantiert ist, besteht kein Anspruch auf die Überschussbeteiligung. D.h. selbst wenn nach momentanen Konditionen die Überschussbeteiligung bei z.B. 5% der eingezahlten Beiträge liegt, hindert nichts die Versicherung daran, die Überschussbeteiligung in den nächsten Jahren irgendwann auf 2% oder gar 0% zu senken. Ob das geschieht, haängt vom Versicherungsunternehmen ab. Einige Versicherungsunternehmen haben eine makellose Historie von Überschussbeteiligungen vorzuweisen, was eine radikale Absenkung unwahrscheinlich macht. Man muss als Kunde also der Versicherung einfach vertrauen.

Gesetzliche Vorgaben erlauben es dem Versicherer nicht, mit Überschussbeteiligungen zu werben oder diese verbindlich in Aussicht zu stellen. Der Kunde geht also einen Vertrag ein, dessen genaue Konditionen per Definition unbekannt sind. Dies ist bei herkömmlichen Geldanlagen natürlich anders, weil hier der Zinssatz im Vorhinein vertraglich festgelegt ist.

Die steuerliche Bevorzugung und die staatliche Prämienzahlung ist nicht sicher

Es wird häufig damit geworben, dass Lebensversicherungen steuerlich besonders attraktiv seien. Insbesondere als eine Besteuerung der Lebensversicherungen anstand und vor Jahresende 2006 geschlossene Verträge steuerfrei bleiben sollten, drängte man die Kunden dazu, noch dieses Jahr eine Lebensversicherung abzuschließen. Darüber hinaus zahlt der Staat dem Kunden zusätzliche Prämien bei der Ausschüttung oder zahlt mit dem Kunden zusammen in die Versicherung ein. Ähnlich sieht es im Jahre 2012 mit Rentenversicherungen aus: Der Staat verspricht, die Ausschüttung am Ende der Einzahlungen nur mit dem halben Steuersatz zu versteuern.

Es mag auch durchaus sein, dass in bestimmten Fällen mehr Steuern auf herkömmliche Geldanlagen bezahlt werden als auf Lebens- und Renten-Versicherungen. Steuersätze können sich allerdings ändern. Es kann sein, dass in den nächsten 10, 20 oder 30 Jahren die Regierung wechselt und sich die Besteuerung von Versicherungen (oder ihrer Betrags-Ausschüttung am Ende) ändert. Im Jahre 2009 wurde beispielsweise die Steuer auf Kapitalerträge von 30% auf 25% gesenkt. Sollte sie irgendwann noch weiter gesenkt werden, schwindet der Nutzen, den eine Steuerermässigung auf die Versicherungen bringt. Senkt sich der persönliche Steuersatz (etwa durch Arbeitslosigkeit oder Teilzeitarbeit), bringt die steuerliche Ermässigung ebenfalls nichts. Sollte die Kapitalertragssteuer hingegen erhöht werden, so könnte die Ausschüttung der Versicherung davon betroffen sein.

In jedem Fall lässt sich der steuerliche Vorteil der Versicherung also nicht genau im Vorhinein bestimmen. Ebenso kann nicht unbedingt garantiert werden, dass das Kalkül mit anderen staatliche Vorteilen in den nächsten Jahrzehnten gültig bleibt. Rentensätze, Steuersätze und Zuschusssätze, und auch die persönliche Besteuerung können sich ändern. Dies spielt eine Rolle, da diese staatliche Unterstützung die Versicherungen überhaupt erst konkurrenzfähig macht (s. unten).

Die Versicherungen haben undurchsichtige Konditionen

Die genauen Konditionen einer Lebens- oder Rentenversicherung sind oft weitaus komplexer als man als Kunde nachvollziehen kann. Die Kosten einer Versicherung setzen sich zusammen aus:

Die genaue Aufschlüsselung dieser Kosten ist in Modellrechnungen nicht ersichtlich. Um diese Kosten zu verstehen, muss man sich die Produktbedingungen anschauen. Oftmals sind die Kosten einer Versicherung allerdings auch variabel. Darüber hinaus mindern die Verwaltungskosten die gesetzliche Mindestausschüttung, sodass selbst diese nicht als einfach zu verstehende Garantie angesehen werden kann. Man geht als Kunde also einen Vertrag ein, dessen genaue Konditionen sehr komplex sein können.

Eine jährlichen Dynamik bedeutet, dass der monatliche Beitrag jedes Jahr um einen bestimmten Prozentsatz steigt. Also steigt der Beitrag für die Rentenversicherung über die Jahre exponentiell an — genau wie sich bei einer Geldanlage die Zinsen und Zinseszinsen schnell zu großen Beträgen aufsummieren. Ein Beitrag von 100 Euro pro Monat, beispielsweise, wird bei einer Dynamik von 5% über 30 Jahre zu einem monatlichen Beitrag von 432 Euro. Die Dynamik wurde eingeführt, um der Inflation entgegenzuwirken. Diese muss die Europäische Zentralbank allerdings bei 2% halten.

Bei einer herkömmlichen Geldanlage sind die Konditionen hingegen denkbar einfach: Der Kunde zahlt Geld ein und bekommt den Betrag nachher zu einem im Vorhinein festgelegten Zinssatz zurück. Es gibt im Allgemeinen keinerlei Zusatzkosten.

Die Versicherungen sind extrem langfristig

Lebens- und Rentenversicherungen sind Verträge mit einer Laufzeit bis zum Rentenalter. Für einen Jugendlichen bedeutet dies ein Vertrag über rund 40 Jahre. Dafür nimmt die Versicherung einem jegliche Arbeit mit der Geldanlage ab. Sie wirtschaftet im Allgmeinen sicherheitsorientiert, und kann durch größere Summen besser Konditionen am Kapitalmarkt bekommen. Man muss sich als Kunde nicht mehr um die kontinuierliche Anlage kümmern.

Allerdings birgt ein Vertrag mit solch langer Laufzeit auch schwer kalkulierbare Risiken mit sich. In 40 Jahren Weltgeschichte und Wirtschaftsgeschichte können Inflation, Wirtschaftskrise, oder Bankrott der Versicherung den Gewinn zunichte machen. Ebenso kann ein Umzug ins Ausland Währungsrisiken herbeiführen.

Natürlich betreffen diese Risiken auch die herkömmliche Geldanlage. Eine herkömmliche Geldanlage lässt sich jedoch bei einer Änderung der Umstände entweder sofort auflösen (bei Tagesgeldkonten) oder aber innerhalb eines überschaubaren Zeitrahmens (zB 3 Jahre). Sollte also irgendwann in den nächsten Jahrzehnten beispielsweise die Inflation steigen, so kann man das Geld aus der Anlage ziehen und es in Konsumgüter, Aktien oder Wertgegenstände investieren. Der Gewinn einer Versicherung hingegen ist futsch. Eine heute festgeschriebene Rente kann in 40 Jahren wertlos sein.

Die Versicherungen sind fest

Über die Laufzeit einer Lebens- oder Rentenversicherung kann es sein, dass persönliche Umstände ungeplante Kosten mit sich bringen. Dies schliesst tragische Begebenheiten wie Unfall oder Krankheit ebenso ein wie Präferenzänderungen wie zB einen Hausbau. Für diesen Fall bieten einige Versicherungen eine Freistellung von den Beiträgen, ein Darlehen, oder eine Entnahme von Teilsummen an. Wenn man aber den Gesamtbetrag benötigt, so muss man die Versicherung kündigen. Das geht meist mit horrenden Kosten einher. Es kann sogar sein, dass man weit weniger zurück bekommt als den eingezahlten Betrag, man macht also Verlust.

In der Tat kündigt ein Grossteil der Kunden ihre Versicherung. Einigen Berechnungen zufolge kündigen in Deutschland 50% der Kunden ihre Lebensversicherung vor Ablauf des Vertrags (siehe Finanztip). Natürlich mag die eigene Planung vorrausschauender sein als die des Durchschnittsbürgers. Allerdings kann nicht die Planung jedes Bürgers vorrausschauender sein als die des Durchschnittsbürgers.

Besonders schmerzhaft ist die Kündigung Versicherung in den ersten Jahren. Die Gebühren der Versicherung werden nämlich meistens in den ersten Jahren abgeführt. Diese Gebühren bekommt man natürlich auf keinen Fall zurück. Damit liegt der Rückkaufpreis in den ersten Jahren nocheinmal weiter unter dem eingezahlten Betrag.

Herkömmliche Geldanlagen hingegen lassen sich je nach Gusto tagesgültig, für mehrere Tage, für mehrere Monate oder für mehrere Jahre abschliessen. Bei einer ausgeglichenen Strategie kann somit immer ein Betrag für sofortige Benutzung frei sein und auch ein Betrag für längerfristige Bedürfnisse.

Die staatlichen Prämien bei einer Lebensversicherung hängen von der gesetzlichen Versicherung ab

Es gibt Lebensversicherungen für gesetzlich (kranken-)versichterte Kunden und Lebensversicherungen für privat versicherte Kunden. Die staatliche Prämien werden im gesetzlichen Fall ab Eintritt in die gesetzliche Versicherung gezahlt.

Wer also noch nicht weiss, ob er gesetzlich oder privat versichtert sein wird (oder ob sich das ändert), und wer dann eine Lebensversicherung für den gesetzlichen Fall abschliesst, trägt das Risiko, überhaupt keine staatlichen Prämien zu bekommen. Ohne die staatlichen Prämien aber ist der Gewinn einer Lebensversicherung vernachlässigbar (s. unten). Man hat also alle Nachteile der Lebensversicherung (langfristige Bindung, undurchsichtige Konditionen etc.) ohne einen handfesten Vorteil.

Entscheidet man sich in diesem Fall für eine Kündigung, verliert man sogar noch mehr Geld (s. oben).

Die staatlichen Prämien machen die Versicherung erst attraktiv

Eine Versicherung kann ihr Kapital gewinnbringender anlegen als ein Kleinanleger. Dies liegt an 3 Gründen:
  1. Eine Versicherung hat hauptberufliche Experten, die sich um die Geldanlage kümmern.
  2. Eine Versicherung kann langfristig anlegen, mit Horizonten von mehreren Jahrzehnten. Dadurch kann sie in Zeiten hoher Zinsen sehr lange Laufzeiten festmachen.
  3. Einer Versicherung kann größere Summen anlegen und kann dadurch bessere Konditionen bekommen.
Trotz dieser guten Bedingungen liegt der reine Gewinn einer Lebens- oder Rentenversicherung ohne die staatlichen Begünstigungen in etwa bei dem einer herkömmlichen Geldanlage (siehe Rechnungen unten). Dies gilt selbst wenn man die Überschussbeteiligung hinzunimmt. Oft liegt der Gewinn sogar unter dem einer traditionellen Anlage. Das bedeutet, dass die Versicherung summa summarum für die reine Geldanlage nicht wirksamer ist als eine normale Festgeldanlage.

Durch die staatlichen Prämien oder Begünstigungen steigt dieser Gewinn dann um ein oder zwei Prozentpunkte. Damit erreicht er das Niveau der herkömmlichen Geldanlagen und übersteigt es leicht. Wenn man also alle anderen Parameter (Sicherheit, Risikoabdeckung, Langfristigkeit, usw.) mal ausser Acht lässt, sorgen also erst die staatlichen Begünstigungen dafür, dass man mit der Versicherung mehr Gewinn erzielen kann als mit einer herkömmlichen Geldanlage. So gesehen subventionieren also die staatlichen Prämien die Versicherungsunternehmen.

Letztlich stellt sich also die Frage, warum man staatliche Gelder in Anspruch nehmen sollte, wenn man einen vergleichbaren Gewinn auch ohne staatliche Gelder erzielen kann.

Der Gewinn der Versicherung ist gering

Der Gewinn einer Versicherung ist wegen der undurchsichtigen Kostenstruktur (s. oben) für den Kunden kaum berechenbar. Einziger Anhaltspunkt sind Modellrechnungen, die bei einer bestimmten Einzahlung eine bestimmte Summe vorhersagen. Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass aus der Modellrechnung hervorgeht, dass Dieses sind zwar natürlich erscheinende, aber oft realitätsfremde Annahmen. Manche Modellrechnungen sagen zB oben, dass der Monatsbeitrag fest ist, schreiben aber unten im Kleingedruckten, dass er sich erhöht. Darüber hinaus werden von der Auszahlsumme oft noch weiteren Gebühren abgezogen, die in der Modellrechung nicht auftauchen. Die hier getroffenen vereinfachenden Annahmen übervorteilen also die Versicherung bereits.

Als Konkurrent der Versicherung betrachten wir ein jederzeit kündbare Tagesgeld-Konto mit einem festen Zinssatz. Man kann natürlich, wenn man eine Summe angespart hat, diese aus dem Tagesgeldkonto nehmen und über längere Zeit zu besseren Konditionen anlegen. Die hier getroffene vereinfachende Annahme benachteiligt also die herkömmliche Geldanlage bereits.

Sowohl herkömmliche Geldanlage als auch die Versicherung unterliegt einem gewissen Risiko: Bei der herkömmlichen Geldanlage kann der Zinssatz sinken und bei der Lebensversicherung kann die Überschussbeteiligung sinken. Da beide Risiken mit dem Leitzins korrelieren, nehmen wir der Einfachkeit halber an, dass diese Risiken gleichwertig sind.

Zunächst zum Tagesgeldkonto.

Wir wollen den Endbetrag des Tagesgeldkontos berechnen. Würde der Betrag x einfach über n Jahre angelegt, so wäre die Endsumme

x*q^n
(dabei bedeutet "q^n" "q hoch n")
Nun wird aber nur der im Januar des ersten Jahres angelegte Betrag x über die vollen n Jahre verzinst. Der im Februar hinzukommende Betrag x wird über n*12-1 Monate verzinst usw.

Wir müssen also nicht in Jahren rechnen, sondern in Monaten. Wir müssen also das q herunterrechnen auf ein "q pro Monat". Dabei hilft, dass, wenn man den Betrag 12-mal 1 Monat lang anlegt (inklusive der Zinsen), dasselbe dabei herauskommen sollte wie wenn man den Betrag 1 Jahr lang anlegt. Also

x * qMonat^12 = x*q
qMonat = q^(1/12) Grob genähert gilt
qMonat = 1+p/12
Dann ergibt das Tagesgeld-Konto eine Endsumme von
x * qMonat^(n*12) (Betrag vom Januar des ersten Jahres)
+ x * qMonat^(n*12-1) (Betrag vom Februar des ersten Jahres)
+ x * qMonat^(n*12-2) + ...
+ x * qMonat^1 (Betrag vom Dezember des letzten Jahres)
= x * (Summe i=1..n*12 qMonat^i)
= x * (Summe i=0..n*12-1 qMonat^(i+1))
= x * (Summe i=0..n*12-1 qMonat^i * qMonat^1))
= x * qMonat * (Summe i=0..n*12-1 qMonat^i)
= x * qMonat * (qMonat^(n*12-1)-1) / (qMonat-1)
Beispiel: Ist der Prozentsatz 3%, so ist
qMonat = (1+0.03)^(1/12) = 1.002466
bzw genähert:
qMonat = 1+0.03/12 = 1.0025
Zahlt man über 40 Jahre 30 EUR pro Monat ein, so ergibt sich die Summe
x * qMonat * (qMonat^(n*12-1)-1) / (qMonat-1)
= 30 EUR * 1.002466 * (1.002466^(40*12-1)-1) / 0.002466 = 27482.89 EUR
Zum Vergleich: Die Einzahlungen waren
12*40*30 EUR = 14400 EUR
Nun zur Lebensversicherung. Hier kennen wir nur die am Ende ausgezahlte Summe. Wir wollen bestimmen, wie gross der Prozentsatz eines Tagesgeldkontos sein müsste, um auf dieselbe Endsumme zu kommen. Diesen Prozentsatz nennen wir die "Verzinsung der Lebensversicherung".

Leider ist die Formel des Tagesgeldkontos mathematisch so unschön, sodass man nicht darum herumkommt, in die Formel solange verschiedene Prozentsätze einzusetzen, bis die von der Lebensversicherung versprochene Summe dabei herauskommt.

Ich habe dies für das Postbank Rentenkonto klassik getan (Stand 2006-08-10) und es kam heraus:

mit Überschussbet. ohne Überschussbet.
mit staatl. Prämien 4.75% 3.1%
ohne staatl. Prämien 3.5% 1.8%

Ich habe diese Zahlen auch für die Debeka-Rentenversicherung ausgerechnet (Stand 2012-04-05). In diesem Fall tritt die staatliche Begünstigung durch eine geringere Besteuerung ein. Ich gehe von einer Kapitalsteuer von 25% aus, die durch steuerliche Begünstigung auf 12.5% sinkt. Die angegebenen Zahlen sind die Prozentsätze, zu der man ein Tagesgeldkonto führen müsste, um bei voller Besteuerung von 25% denselben Gewinn zu erreichen wie mit der Rentenversicherung.

mit Überschussbet. ohne Überschussbet.
mit steuerlicher Begünstigung 4.55% 1.3%
ohne steuerliche Begünstigung 4.14% 1.17%

In beiden Fällen sind diese Zahlen also in etwa das, was man mit einer herkömmlichen mittelfristigen Geldanlage auch erreichen kann — nur